„Herr Panda und das BITTE“

Ach ja, die Höflichkeit. Bekannterweise haben wir ja alle ein anderes Empfinden, wenn es ans Thema Höflichkeit geht. Worauf sich die meisten unter uns jedoch einigen können, ist, dass Danke und Bitte zum Grundwortschatz gehören sollten. Wer das mit seinen Kindern üben möchte, sollte sich „Herr Panda und das BITTE“ anschaffen.

„Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“ – Arthur Schopenhauer

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Herr Panda hat einen Karton voll Donuts. Er geht von Tier zu Tier und fragt: „Möchtest du einen Donut?“ Keines der Tiere antwortet mit „Ja, danke!“ oder „Bitte den Blauen!“, sodass Herr Panda seine Donuts doch lieber für sich behält. Erst das letzte Tier antwortet sehr höflich auf seine Frage: „Darf ich einen Donut haben? Bitte, Herr Panda.“ Und Herr Panda schenkt ihm alle – er mag gar keine Donuts.

Soweit, so einfach erzählt. „Herr Panda und das BITTE“ amüsiert aber vor allem durch schlichte Illustrationen und einen herrlich genervten Herr Panda. Schon auf dem Cover guckt er so grimmig – man hört ihn gedanklich laut stöhnen: „Warum konntest du mir keine Lakritzschnecken mitbringen? Wieso mussten es Donuts sein? Du weißt doch, dass ich keine Donuts mag. Na gut, dann verschenke ich sie jetzt halt…“ Gesagt, getan. Und dann haben die anderen Tiere auch noch die Frechheit, nicht einmal Danke oder Bitte zu sagen. Illustrativ kommt das Buch sehr reduziert daher. Herr Panda und die anderen Tier sind schwarz-weiß gezeichnet, lediglich die Donuts wurden ansprechend farblich illustriert. Es wurde auf viel Text verzichtet. Stattdessen bekommen Vorlesende den Raum, über die gezeigten Szenen zu sprechen. Warum ist Herr Panda von den anderen Tieren so genervt? Was war unhöflich an dieser Antwort? Was hätte sie stattdessen sagen können?

Wie heißt das Zauberwort?

Nun kann man das Buch platt finden oder nicht. In meinen Augen behandelt es dieses Thema sehr präzise auf den Punkt. Höflichkeit hat natürlich auch etwas mit Gestik, Mimik und dem Verhältnis zwischen zwei Menschen zu tun. Trotzdem gehören für mich Danke und Bitte in jeglicher Kommunikation dazu. Egal, ob ich Menschen kenne oder nicht. Egal, ob ich Menschen mag oder nicht. Und ganz ehrlich: Wie könnte man diese elementare sprachliche Grundregel besser vermitteln, als mit einer süßen klebrigen Belohnung? Natürlich ist positive Konditionierung keine Alternative zu verständnisbasierter Erziehung. Aber um Höflichkeit und ihre Konsequenzen bildlich verständlich für Kleinkinder darzustellen, ist „Herr Panda und das BITTE“ sehr gut geeignet. Ich habe jedenfalls schmunzeln müssen…und gehe mir jetzt einen Donut kaufen.

 

höflichkeit herr-panda-und-das-bitte_cover„Herr Panda und das BITTE“

von Steve Antony
ISBN 978-3-7616-3113-3
J.P.Bachem Verlag
Erschienen im Januar 2017

 

 

 

 

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Merken

Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch

Vor ein paar Tagen bin ich durch Eimsbüttel geschlendert und an der wunderbaren Buchhandlung Lüders vorbeigekommen. Hier durfte ich vor etlichen Jahren (ist es wirklich schon 12 Jahre her…?) mein erstes Praktikum machen. Ein fabelhafter Buchladen, der zum stöbern verführt und immer noch zu meinen Lieblingsorten in Hamburg zählt. Sie haben eine kleine, aber gut sortierte Bilderbuchecke, in der ich einen Schatz gefunden habe: „Papa ist doch kein Außerirdischer!“ von Anna Boulanger. Ein Buch, das alle Vorurteile gegenüber Homosexualität mit historisch anmutenden, zarten Illustrationen ad absurdum führt.

Viele Namen für eine einfache Erklärung

Theo verbingt jedes Wochenende bei seinem Vater. Für ihn heißt er Paul oder Papa. Andere Menschen nennen seinen Vater jedoch Höhlenforscher, Torfstecher oder Warmer. Sein Vater erhält allerlei Spitznamen, die Theo nicht versteht. Eines Tages erzählt Theo seinem Vater von den vielen Namen und versteht:

„Die ganzen Sachen, die ich gehört habe, bedeuten einfach nur, dass mein Papa schwul ist. Das heißt, dass er Männer liebt.“

Anna Boulangers Bilderbuch beschäftigt sich kindlich naiv mit den Auswirkungen der Sprache auf unser Denken. Das Vorsatzpapier dieses wunderschön gestalteten Bilderbuches zeigt Fetzen von Wörterbucheinträgen: Alles Synonyme für Homosexualität. Boulanger hat die Wörter zusammengetragen und ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, Flügel verpasst. Neben den schwebenden Wörterbucheinträgen steht ein junger Mann mit suchendem Gesichtsausdruck und Höhlenforscher-Equipment – verloren zwischen den vielen Doppeldeutigkeiten. Continue reading „Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch“

Papperla-Pappbuch-Tipps für kleine Leute

Gehört ihr zu den Glücklichen, bei denen es gerade schneit? In Hamburg regnet es leider nur Bindfäden – dafür eignet sich das Wetter ganz famos zum Einkuscheln mit Lieblingsbüchern. Oder zur ersten Bestandsaufnahme des neuen Jahres. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich euch drei Pappbücher vorenthalten habe, die ihr (und alle 2,5-Jährigen) unbedingt kennen solltet. Eieiei! Na dann mal an die Bücher, fertig, los!

„Welches Pferd heißt Gerd?“

Das Cover dieses großartigen Wimmel-Such-Buches verrät es euch schon: Es geht um Einzigartigkeit. Denn genau wie alle anderen zu sein, ist doch langweilig. Es ist ok, anders zu sein und sich von der Masse abzuheben. Und so sucht man zwischen grasenden Ponys, das rasend schnelle Superpferd Gerd oder zwischen zahlreichen Hunden, den Ballerina-Mops Siegmund. Herrlich verrückte Reime und liebevolle Illustrationen und bringen in diesem Pappbuch-Knaller garantiert jeden zum Lachen!

„Genau wie jeder andere sein? Nö! Da sagen wir laut: ‚Nein!‘ Jeder ist – das ist doch klar -, so wie er ist, ganz wunderbar!“

Illustratorin Kathrin Wessel aka Käselotti designt Stoffe, näht für ihr Leben gern und hat sogar mal als Grafikdesignerin im Kinderbuchverlag Oetinger gearbeitet. Wer ihre Illustrationen genauso mag wie ich, sollte mal auf ihrer Website vorbeischauen. Dort kann man Broschen, Stoffe oder Postkarten in ihrem unverwechselbaren Stil erstehen. Yippieh!

welches pferd heißt gerd cover pappbuch„Welches Pferd heißt Gerd?“
von Kathrin Wessel und Anne-Kristin zur Brügge
Oetinger 2016
ISBN 978-3-7891-2455-6

Continue reading „Papperla-Pappbuch-Tipps für kleine Leute“

Hut auf, Party ab!

Fete, Fete, Fete! Wenn Norbert eine Einladung zur „hutigsten Party aller Zeiten“ schickt, dann muss man auch mit Hut erscheinen. Was aber, wenn man keinen Hut besitzt? In „Hut auf, Party ab!“ wird dieses Problemchen grandios amüsant durchgespielt. Ein großer Spaß für alle, die eine gute Party zu schätzen wissen…

Norbert hat eingeladen: Zur „grösstesten, schönstesten, hutigsten Party aller Zeiten“. Klar, da braucht man einen Hut. Was aber, wenn man partout keinen findet? Dann muss halt Plan B funktionieren: Alli Affix der Affe, der zufällig einen wunderschönen Hut besitzt, kommt mit zur Party. Doch der Türsteher ist streng. Ein Hut ist ja schön und gut, aber ein Monokel muss schon auch dabei sein. Doch auch mit Monokel tragendem Dachs ist es nicht getan – dem Türsteher fallen immer neue verrückte Bedingungen ein. Gut, wenn man viele Freunde hat, die einem helfen. Auch wenn sich schlussendlich herausstellt, dass der Türsteher gar nicht zu Norberts Party gehört…

„Egal. Norberts Party war echt die Mühe wert…“

Hut auf Party ab Kate Findley Illustration Affe

Simon Philip und Kate Hindley ist mit „Hut auf, Party ab!“ ein vergnügliches und wunderschönes Bilderbuch gelungen. Bunt und verrückt! Ein besonderer Humor, der sowohl in der lakonischen Sprache als auch in den herrlich bunten Illustrationen durchklingt. Auf jeder Buchseite gibt es viel zu entdecken: Ulkige Tiere, charmante Gesichtsausdrücke, bunte Schlüpfer und und und. Kate Hindley hat an der Falmouth School of Art im schönen Cornwall studiert und im Gerstenberg Verlag bereits das Bilderbuch „Wie man ein Wollmammut wäscht“ herausgebracht.

Continue reading „Hut auf, Party ab!“

„Albert und der Baum“

Die Geschichte um den warmherzigen und gemütlichen Bären Albert ist eine Geschichte über Freundschaft und Verständnis. Über Mitgefühl und darum, das Teilen manchmal schöner sein kann, als etwas für sich alleine zu haben. Wie immer, haben es mir aber besonders die wunderbaren Illustrationen der preisgekrönten Britin Jenni Desmond angetan – es wird nicht das einzige Buch von ihr in meinem Regal bleiben!

Continue reading „„Albert und der Baum““

„Fabers Schatz“ von Cornelia Funke

Diese Autorin muss ich (eigentlich) nicht vorstellen. Jeder kennt Cornelia Funke und ihre Bücher. Bisher ist die norddeutsche Starautorin hauptsächlich für ihre fantastischen Jugendbücher bekannt. Doch in den letzten Jahren nähern sich die Themen ihrer Werke immer mehr dem aktuellen Weltgeschehen. Mit „Fabers Schatz“ hat sie nun ein fantasievolles Bilderbuch herausgebracht, das die Themen Heimat, Fremde und Freundschaft beleuchtet.

Fabers Schatz Cornelia Funke IllustrationFaber lebt in Hamburg. Als sein Opa beschließt nach Amerika zu gehen, schenkt er Faber einen alten Teppich. Sehr zum Unmut des Enkels. Warum kann Opa ihm nicht etwas „Cooleres“ da lassen? Doch Opa meint: „Das ist mein größter Schatz. Ein Geschenk von einem Freund in Damaskus.“ Und dann fährt Opa nach Amerika und Faber bleibt unschlüssig mit dem ollen Teppich zurück. Dass Opa in seinem Abschiedsbrief schreibt, der Teppich könne fliegen, überzeugt Faber nur noch mehr: Opa ist plemplem! Als niemand in der Nachbarschaft Faber sagen kann, was es mit dem Teppich auf sich hat, ist er kurz davor aufzugeben. Erst Shaima, ein kleines Mädchen mit pechschwarzen Haaren, spricht die Sprache des Teppichs und bringt ihn zum Fliegen. Gemeinsam mit Shaima fliegt Faber rund um die Welt und lernt von ihr die Sprache des Teppichs: „Erde?“ „Ard.“ – „Fluss?“ „Nahr.“ – „Zuhause?“ „Watani.“

„Etwa 30 % meiner Zeit benötige ich für mein Engagement in Wohltätigkeitsorganisationen.“

Cornelia FunkeWas man als Leser vielleicht nicht über Cornelia Funke weiß? Neben ihrer schriftstellerischen und kreativen Arbeit, unterstützt sie zahlreiche soziale Projekte. Es ist fast unmöglich alles zu recherchieren, aber u.a. ist sie offizielle Patin des Kinderhospizes Bethel für sterbende Kinder, eine der deutschen Botschafterinnen der UN-Dekade Biologische Vielfalt, Schirmherrin von exilio e.V. Hilfe für Migranten, Flüchtlinge und Folterüberlebende, sie engagiert sich für die African Millenium Foundation, für Benachteiligte und die Umwelt. Im Jahr 2008 wurde ihr neben dem Bundesverdienstkreuz am Bande auch der Bambi in der Kategorie Kultur verliehen. 2009 erhielt sie dann den Jacob-Grimm-Preis. Sehr beeindruckend! Continue reading „„Fabers Schatz“ von Cornelia Funke“

Sommerzeit ist Zirkuszeit!

Hereinspaziert, hereinspaziert, meine Damen und Herren! Treten Sie näher! Haben Sie sich schon eine Tüte Popcorn geholt? Nein? Nun, dann wird es Zeit, denn bald fällt der Vorhang. Manege frei! Der Zirkus ist eröffnet!

9783551271327Nils Kacirek und Franziska Biermann sind ein famoses Team und großartige Büchermacher. „Herzlichen Glückwunsch kleines Huhn!“ liebe ich von Herzen und auch das Zirkus-Buch ist auf dem besten Wege ein Herzensbuch zu werden. Genau wie die anderen Bücher des eddi-Teams, ist auch „Zirkus“ ein Musikbilderbuch zum Gucken, Hören und Mitmachen. Liebevoll gestaltet und mit Zirkus-Tipps zum Selberspielen am Ende des Buches.

Continue reading „Sommerzeit ist Zirkuszeit!“

Schweden Spezial III: Experten im Gespräch

Auf Lütte Lotte möchte ich Euch nicht nur meine Bilderbuch-Lieblinge vorstellen, sondern auch immer mal Experten zu Wort kommen lassen. Deshalb freue ich mich sehr, dass Kerstin Behnken und Laura Christiane Schultz mir Rede und Antwort gestanden haben. Beide arbeiten als Lektorinnen in der Verlagsgruppe Oetinger. Dem deutschen Verlag von Lotta, Pippi und Pettersson.

Continue reading „Schweden Spezial III: Experten im Gespräch“

Liebe wie aus dem Bilderbuch: Meine Tipps für kleine Leser!

Es gibt eine Menge guter Bilderbücher aus Schweden. Meine 5 Lieblinge für kleine Menschen, möchte ich euch heute vorstellen. Den Anfang macht gleich ein Klassiker…

„Lotta zieht um“ von Astrid Lindgren

Bilderbuch Lotta zieht umKeine Lieblingsbuch-Liste ohne Astrid Lindgren! Sorry, Leute. Dafür verspreche ich, dass die restlichen Empfehlungen etwas origineller ausfallen. Doch Lotta muss einfach in diesem Beitrag auftauchen, denn ich musste nicht lange überlegen, welches starke Lindgren-Mädchen ich hier vorstellen soll – Lotta ist schon immer eine meiner Lieblingsfiguren gewesen!

In „Lotta zieht um“ erlebt Lotta einen wirklich nervigen Tag: Schon als Lotta aufwacht, hat sie schlechte Laune. Im Traum haben ihre älteren Geschwister Jonas und Mia-Maria ihr Kuscheltierschwein Teddy verhauen. Und dann verlangt Mama auch noch, dass Lotta den kratzigen weißen Wollpullover anzieht, den sie so gar nicht leiden kann. Kurzerhand schneidet Lotta Löcher in das olle Ding. Nun ist Mama sauer und Lotta ist stinksauer und sowieso überlegt sie, wäre es besser, zu Hause auszuziehen. Bei der Nachbarin Tante Berg darf sie in die Rumpelkammer ziehen. Doch abends allein im Dunkeln ist Lotta sich gar nicht mehr sicher, ob sie denn die richtige Entscheidung getroffen hat…

Lotta ist die Größte! Lotta ist eigensinnig und stark und mutig und so ein liebenswertes kleines Mädchen, das locker mit ihren größeren Geschwistern und auch mit den restlichen Lindgren’schen Kinderbuchhelden mithalten kann. Absolute Bilderbuch-Empfehlung!

Continue reading „Liebe wie aus dem Bilderbuch: Meine Tipps für kleine Leser!“

Schweden Spezial I: Die Klassiker

Ach Schweden, oh mein Schweden. Land der Seen, der Wälder und der Kinderbücher! Wusstet ihr das jedes 10. Buch, das in Schweden veröffentlicht wird, ein Kinderbuch ist? Literatur für Kinder hat seit jeher einen festen Platz im Feuilleton und seit 1982 gibt es sogar eine Professur für Kinderliteratur. Kein Wunder, dass die schwedische Kinderliteraturszene blüht und gedeiht und so mancher Schatz seinen Weg auch in unsere Regale findet.

Astrid LindgrenOhne dass es euch bewusst wäre, kennt ihr vermutlich eine Menge Bücher von schwedischen Autorinnen und Autoren. Die wohl wichtigste Pionierin des modernen schwedischen Kinderbuches ist Astrid Lindgren. Ihr erstes Buch „Pippi Langstrumpf“ erschien 1945 und machte das schwedische Kinderbuch sogleich international bekannt. Im Laufe ihrer Karriere erhielt Astrid Lindgren zahlreiche Preise, am Ende ihres Lebens war sie gar eine schwedische Nationalheldin. Sie war es, die mit ihren Geschichten rund um starke, eigenwillige Protagonisten, auch die Rolle des Kindes in der schwedischen Gesellschaft verändert hat. Zu Astrid Lindgrens bekanntesten Figuren gehören Pippi Langstrumpf, die Kinder aus Bullerbü und Michel aus Lönneberga. Continue reading „Schweden Spezial I: Die Klassiker“