Illustratorin Julie Völk im Gespräch

Ihre Bücher kenne und liebe ich alle, jetzt hat sie mir sogar ein paar Fragen beantwortet. Die sympathische Illustratorin Julie Völk malt zauberschöne verträumte Bilder. Ihre Bilderbücher sind bereits mehrfach ausgezeichnet – für ihre Bachelorarbeit „Das Löwenmädchen“ hat sie 2015 sogar den Troisdorfer Bilderbuchpreis erhalten! Ich hoffe sehr, dass noch viele, viele Bücher von ihr erscheinen werden, die ich allesamt dem kleinen Minimenschlein in meinem Bauch zeigen möchte… Viel Spaß mit unserem Interview!

Liebe Julie, danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Deine Illustrationen sind preisgekrönt und du vermutlich immerzu beschäftigt… Sag mal, wolltest du schon immer Illustratorin werden oder hättest du dir auch eine andere Zukunft vorstellen können?

Julie Völk SelbstportraitUrsprünglich wollte ich Millionärin werden. Damit ich wunderschöne Waisenhäuser bauen kann mit allem, was man sich als Kind so wünscht. Schwimmbad, Toberaum, Ställe für Pferde und Tiere, Kuschelraum, riesige Küche, traumhafter Garten und gemütliche Kinderzimmer. So bin ich eigentlich zum Zeichnen gekommen, denn das muss ja alles entworfen werden. Und die Kinder die darin wohnen sollten habe ich dann auch gezeichnet.

Als es dann aber irgendwann ernsthaft darum ging was man werden möchte, wollte ich unbedingt etwas mit Zeichnen machen. Architektur, Kostümdesign oder Modedesign waren die ersten Gedanken, aber als mir klar wurde, dass man auch Illustratorin werden kann, stand mein Entschluss fest.

Was inspiriert dich zu zeichnen? Wann nimmst du besonders gerne am Schreibtisch Platz? 

Inspiration finde ich manchmal beim Spazieren und Reisen, Fotobände anschauen, Musik hören oder beim einfach draufloszeichnen. Aber verlassen kann man sich leider nie darauf. Ich muss spätestens um 9.00 Uhr am Schreibtisch sitzen, sonst ist das Arbeiten unbefriedigend, oder ich komme überhaupt nicht mehr hinein. Meistens habe ich aber auch nur bis um ca. 12 Uhr Zeit, weil ich dann meine Tochter vom Kindergarten abhole, oder sie zumindest zu Hause ist und dann kann ich mich nicht mehr so gut konzentrieren. Zum Glück ist mein Freund auch selbstständig und wir können uns je nach Arbeitslage mit dem Hausmann- und Hausfrausein abwechseln. Ab und zu gelingt es mir auch, mich abends noch einmal hinzusetzen und zu arbeiten.

Meinen Schreibtisch brauche ich unbedingt zum Arbeiten, draussen oder im Café gibt es so viel zu sehen, dort lade ich meinen Kopf auf. Aber Zeichnen, Schreiben oder Lesen, fällt mir außerhalb meiner vier Wände extrem schwer.

Deine Bachelorarbeit „Das Löwenmädchen“ ist im Gerstenberg Verlag erschienen und auch dein folgendes Bilderbuch „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ wurde im kleinen Hildesheimer Verlag veröffentlicht. Wie kam es zu dieser schönen Zusammenarbeit?

Bei einer Jahresausstellung der HAW hat der Gerstenberg Verlag meine Illustrationen entdeckt und über Prof. Mölck-Tassel ist dann der Kontakt zu mir entstanden. Auf der darauf folgenden Frankfurter Buchmesse traf ich mich mit der Lektorin Kathrin Jockusch. Wir haben uns sofort gut verstanden und Frau Jockusch hat ein gutes Gespür dafür, was für Geschichten zu meinem Zeichenstil passen. In den kleinsten Skizzen (meine Skizzen sind meistens nur etwas größer als Briefmarken) sieht sie sofort die Stimmung und die Geschichte, die ich damit erzählen möchte.

Julie Völk Guten Morgen kleine Eisenbahn Gerstenberg Verlag
Illustration aus „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ (Gerstenberg Verlag)

Die Illustrationen in deinen Bilderbüchern sind eine Mischung aus zarten Bleistiftzeichnungen und wenigen, aber markanten Farben. Hast du illustrative Vorbilder? Oder hast du noch einen Geheimtipp für uns – wen sollte man unbedingt kennen bzw. im Auge behalten?

Das ist eine schwierige Frage! Illustrative Vorbilder habe ich genau genommen nicht. Ein Vorbild ist auf jeden Fall Astrid Lindgren. Ich bewundere viele Illustratorinnen und Illustratoren, dann schau ich mir die Bilder an und denk „Boah, wie geil!“, aber meistens haben die einen ganz anderen Stil als ich. Ich glaube, geprägt haben mich Bücher aus meiner Kindheit. Die Geschichte von Babar dem Elefanten, geschrieben und illustriert von Jean de Brunhoffs, berührt mich immer noch stark. Wenn ich die Bilder heute sehe, bekomme ich sofort wieder diese Gefühle, die ich als Kind hatte als ich mir die Geschichte ansah. Obwohl ich den Text zusammen mit den Bildern überhaupt nicht mehr gut finde. Ähnlich aber längst nicht so intensiv geht es mir bei Illustrationen von Hajnal Gabriella, Tomi Ungerer und Janosch. Einen Geheimtipp habe ich leider nicht, ich hinke glaube ich immer etwas hinterher, was den Bilderbuchmarkt angeht.

„Gerade bin ich ‚Fan‘ von Benjamin Chaud und Jon Klasssen. Als ‚Geheimtipp‘ würde ich am ehesten Vernic Vendi oder Asian Lora Miren nennen.“

Woran arbeitest du momentan? Gibt es bald wieder etwas Neues von dir in den Buchhandlungen?

Zu Weihnachten wird wieder ein Bilderbuch bei Gerstenberg erscheinen [Anmerkung: Erscheint im August 2017]. „Stille Nacht, fröhliche Nacht“, wie bei der Straßenbahn funktioniert es ohne Text, ist aber farbiger als sonst, also richtig weihnachtlich. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich inzwischen weiss, dass die Bücher beim Gerstenberg Verlag immer schön werden. Die Herstellung spielt so eine große Rolle, dass ist einem vorher (oder als Betrachter) gar nicht bewusst. Und diesmal gibt es sogar eine Prägung im Cover. Gerade arbeite ich an einer Geschichte für Beltz und Gelberg und für den Obelisk Verlag habe ich wieder eine Geschichte von Renate Welsh bebildert.

Julie Völk Das Löwenmädchen Gerstenberg Verlag
Illustration aus „Das Löwenmädchen“ (Gerstenberg Verlag)

 

Vielen Dank für das wunderbare Interview & viel Erfolg für alle deine weiteren Projekte, Julie!

 

Vorfreude! Bilderbuch-Lieblinge des Sommers

Endlich scheint in Hamburg die Sonne! Dieses Jahr war der Winter gefühlt sieben Monate lang. Trotzdem stecke ich beruflich schon wieder in der kalten Jahreszeit, wälze Vorschauen, entdecke Bilderbuch-Lieblinge und Belletristik-Highlights des Herbstprogramms und plane Lesungen. Warum dann nicht gleich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und Euch an meiner Ausbeute teilhaben lassen? Et voilà! Hier sind meine acht Bilderbuch-Lieblinge des Sommers bzw. Herbstes 2017.

 

„Als Oma immer kleiner wurde“

von Inka Pabst und Mehrdad Zaeri
Tulipan Verlag | Erscheint am 24.07.2017

Bei Bilderbüchern bin ich kritisch: Wenn mir das Cover schon nicht gefällt, sehe ich mir das Buch meist gar nicht an. Bei „Als Oma immer kleiner wurde“ war es genau andersherum! Was für eine wunderschön zarte, zu Herzen gehende Illustration! Mehrdad Zaeri habe ich durch den Facebook-Account der Bücherkinder kennengelernt und seither großer Fan seiner Kunst. Er ist vermutlich die perfekte Besetzung, um Inka Pabst Geschichte um Oma, die immer gebrechlicher mit dem Alter wird, zu bebildern. Große Vorfreude!

 

„Frida Kahlo und ihre Tiere“

von Monica Brown und John Parra
NordSüd Verlag | Erscheint am 04.08.2017

Frida Kahlo war eine faszinierende, starke und talentierte Frau. Ein feministisches Vorbild. Wie schön, dass es nun bald ein Bilderbuch über sie und ihre Haustiere gibt. Ihre Tiere gehörten zur Familie, oft kann man sie in ihren Bildern entdecken. Ein schöner Aufhänger, um die Künstlerin Kindern nahezubringen. John Parras Illustrationen wirken indigen, mit kräftigen Farben und (sorry, das sind die Hormone…) sehr süßen Tieren.

 

„Du Pupsaffe!“

von Ann Cathrin Raab
Tulipan Verlag | Erscheint am 24.07.2017

Schimpfen ist nicht gleich Schimpfen. Manche Wörter sind tabu – aber kreative Wortneuschöpfungen sind doch sowieso viel lustiger! Bei Ann Cathrin Raab findet man nicht nur Pupsaffen, sondern auch Bratwurstclowns, Glupschaugenwürmer und Stinkefußkröten. Ihre Illustrationen sind kindlich naiv, bebildern die kreativen Schimpfwörter aber herrlich genau. Woher man Ann Cathrin Raab schon kennt? Sie gehört zur Illustratorengruppe „Die Krickelkrakels„, die im Oetinger Verlag bereits viele Bände der international erfolgreichen Krickel-Krakel-Bücher herausgebracht haben.

 

„Nichts passiert“

von Mark Janssen
FISCHER Sauerländer | Erscheint am 24.08.17

Es gibt Tage, da passieren die ulkigsten Dinge. Und es gibt den Alltag. Die Mehrzahl der Tage, an denen einfach nichts Besonderes passiert. Das heißt aber nicht, dass man sich nichts Spannendes ausdenken kann… Warum nicht mal mit Walen schwimmen? Oder einen handstand auf einem Tigerkopf machen? Nick und Sara denken sich die fantastischsten Geschichten aus und übertrumpfen sich gegenseitig mit ihren Ideen. So wird aus einem stinknormalen Tag, doch noch ein ganz besonderer.

 

„Himmelskönig“

von Nicola Davis und Laura Carlin
Aladin Verlag | Erscheint am 29.09.17

„Himmelskönig“ ist wieder ein Buch, das mich schon mit seinem Cover für sich gewonnen hat. Gespannt bin ich aber auch, wie das kleine Büchlein die komplexe Geschichte des Protagonisten auf wenigen Seiten verbildlichen wird. Der Junge ist fremd in England. Niemand spricht Italienisch, die Sonne scheint anders als in Rom und es ist kalt und grau. Nur die Tauben aus Mr. Evans Taubenschlag erinnern ihn an Zuhause. Der Junge fängt an, regelmäßig im Taubenschlag zu helfen und setzt alle seine Hoffnungen in „Himmelskönig“, der als beste Brieftaube das große Wettfliegen durch halb Europa gewinnen soll.

 

„Hallo Schiff Pyjamahose“

von Janosch
Beltz Verlag | Erscheint am 17.07.17

Ich liebe Janosch! Umso mehr freut es mich, dass diese skurrile Geschichte nun endlich wieder als Bilderbuch herausgebracht wird. Durch ganz viel Fantasie und ein wenig „Zaubertrank“ verwandeln die beiden Pariser Chlochards Pupule und Pomidors ein klitzekleines Schiff in ein riesengroßes. Ganz anders als seine niedlichen Tiergestalten, sind diese beiden Herren schmuddelig und dem Alkohol nicht abgeneigt. Was Chlochards sind? „Die Clochards sind Leute, die unter den Brücken der Seine schlafen. Oder wohnen. Sie haben keine andere Wohnung, manche, weil sie keine wollen, manche, weil sie keine haben – und so gesehen haben sie die größte Wohnung der Welt…“, erläutert Janosch. Die Geschichte ist eine Ode an die Phantasie, denn die schnöde Realität beschäftigt uns doch schon viel zu oft…

 

„Durch den Wald“

von Nele Palmtag
Kunstanstifter Verlag | Erscheint am 30.08.17

Nele Palmtag ist ja eigentlich kein Geheimtipp mehr und trotzdem habe ich die Illustratorin selten auf dem Schirm, wenn ich an meine Lieblingsbilderbuchmenschen denke. Dabei mag ich ihre Bleistiftzeichnungen sehr. In „Durch den Wald“ schickt sie die verwöhnten Haustiere von Frau Lieb auf eine wilde Reise. Frau Lieb ist nämlich ins Krankenhaus gekommen und dorthin wollen die drei ihr nun folgen. Auf ihrer Reise lernen sie viel: Vor allem, dass das Leben erst dann richtig Spaß macht, wenn man auch mal mutig ist.

 

„Donnerwetter, sagte Fuchs“

von Kristina Andres
Moritz Verlag | Erscheint am 21.08.17

Endlich gibt es neue Geschichten von Fuchs und Hase! Geschichten, die einfach aus dem Leben gegriffen und furchtbar zauberhaft illustriert sind. Fuchs und Hase wärmen mir einfach das Herz. Es geht um Freundschaft und Vertrauen und gemeinsamen Spaß. Ganz ohne Getöse, ohne viel Chichi. Einfach schön und liebevoll erzählt. Ein moderner Kinderbuchklassiker – ich freue mich schon sehr!

 

So viele gute Neuerscheinungen

Diese acht Bilderbuch-Lieblinge sind nur eine kleine Auwahl, der kommenden Neuerscheinungen des Herbstes. Auch großartige Kinderbücher stehen in den Startlöchern: „Der weltbeste Detektiv“ von Caroline Carlson (Ueberreuter Verlag), „Der Wunderling“ von Mira Bartók (Aladin Verlag) oder „Das Böse kommt auf leisen Sohlen“ von Ray Bradbury (Aladin Verlag) zum Beispiel. Ach und so viele mehr! Aber dafür schreibe ich dann noch einen weiteren Blogbeitrag…

Auf welche Bilderbücher freut ihr euch denn besonders? Ich freue mich über Tipps!

 

 

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Indiebookday – Für Kinderbuchleser

Einmal im Jahr feiert das Netz kleine und unabhängige Verlage und ihre klasse Bücher. Leider gehen diese in der Flut der Neuerscheinungen oft unter. Große Verlage sind in Buchhandlungen automatisch zahlreicher vertreten, da sie auch viel mehr Titel auf den Markt bringen. Daniel Beskos aus dem Mairisch Verlag möchte die Sichtbarkeit der Kleinen verbessern und veranstaltet deshalb am morgigen Samstag bereits zum fünften Mal den Indiebookday.

Das Mitmachen ist ganz einfach:
  • Geht in eure Lieblingsbuchhandlung
  • Kauft ein Buch eines kleinen oder unabhängigen Verlages
  • Postet ein Bild des Buches auf dem Social-Media-Kanal eurer Wahl
  • Verwendet den Hashtag #indiebookday

Es gibt viele Möglichkeiten herauszufinden, welche Verlage klein und unabhängig und damit indie sind. Die Kurt-Wolff-Stiftung bringt einmal jährlich einen Katalog mit 65 unabhängigen Verlagen heraus. Aber z.B. auch Mara von Buzzaldrins Bücher hat eine klasse Liste veröffentlicht. Was mir immer fehlt, ist eine Übersicht über unabhängige Kinderbuchverlage. Deshalb habe ich hier mal ein paar versammelt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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„Herr Panda und das BITTE“

Ach ja, die Höflichkeit. Bekannterweise haben wir ja alle ein anderes Empfinden, wenn es ans Thema Höflichkeit geht. Worauf sich die meisten unter uns jedoch einigen können, ist, dass Danke und Bitte zum Grundwortschatz gehören sollten. Wer das mit seinen Kindern üben möchte, sollte sich „Herr Panda und das BITTE“ anschaffen.

„Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“ – Arthur Schopenhauer

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Herr Panda hat einen Karton voll Donuts. Er geht von Tier zu Tier und fragt: „Möchtest du einen Donut?“ Keines der Tiere antwortet mit „Ja, danke!“ oder „Bitte den Blauen!“, sodass Herr Panda seine Donuts doch lieber für sich behält. Erst das letzte Tier antwortet sehr höflich auf seine Frage: „Darf ich einen Donut haben? Bitte, Herr Panda.“ Und Herr Panda schenkt ihm alle – er mag gar keine Donuts. Continue reading „„Herr Panda und das BITTE““

Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch

Vor ein paar Tagen bin ich durch Eimsbüttel geschlendert und an der wunderbaren Buchhandlung Lüders vorbeigekommen. Hier durfte ich vor etlichen Jahren (ist es wirklich schon 12 Jahre her…?) mein erstes Praktikum machen. Ein fabelhafter Buchladen, der zum stöbern verführt und immer noch zu meinen Lieblingsorten in Hamburg zählt. Sie haben eine kleine, aber gut sortierte Bilderbuchecke, in der ich einen Schatz gefunden habe: „Papa ist doch kein Außerirdischer!“ von Anna Boulanger. Ein Buch, das alle Vorurteile gegenüber Homosexualität mit historisch anmutenden, zarten Illustrationen ad absurdum führt.

Viele Namen für eine einfache Erklärung

Theo verbingt jedes Wochenende bei seinem Vater. Für ihn heißt er Paul oder Papa. Andere Menschen nennen seinen Vater jedoch Höhlenforscher, Torfstecher oder Warmer. Sein Vater erhält allerlei Spitznamen, die Theo nicht versteht. Eines Tages erzählt Theo seinem Vater von den vielen Namen und versteht:

„Die ganzen Sachen, die ich gehört habe, bedeuten einfach nur, dass mein Papa schwul ist. Das heißt, dass er Männer liebt.“

Anna Boulangers Bilderbuch beschäftigt sich kindlich naiv mit den Auswirkungen der Sprache auf unser Denken. Das Vorsatzpapier dieses wunderschön gestalteten Bilderbuches zeigt Fetzen von Wörterbucheinträgen: Alles Synonyme für Homosexualität. Boulanger hat die Wörter zusammengetragen und ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, Flügel verpasst. Neben den schwebenden Wörterbucheinträgen steht ein junger Mann mit suchendem Gesichtsausdruck und Höhlenforscher-Equipment – verloren zwischen den vielen Doppeldeutigkeiten. Continue reading „Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch“

Illustrator Günther Jakobs im Interview

Im letzten Beitrag habe ich mir noch ein Interview mit ihm gewünscht und voilá, nun ist es soweit. Danke an Carlsen und Kinderbuch-Macher Günther Jakobs, der sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Bis vor kurzem war mir sein Name noch unbekannt, dabei besitze auch ich eine „Urmel“-Ausgabe des Münsteraners… Da wird es doch höchste Zeit, den Künstler besser kennenzulernen! Viel Vergnügen mit unserem Interview!

Lieber Günther Jakobs, Sie sind Illustrator – war das schon immer Ihr Traumberuf?

Illustrator Kinderbuch Günther Jakobs
Ich habe als Kind gerne Comics gelesen. Und wollte auch gerne so etwas machen. Ich habe mir damals als Schüler einen Karteikasten angelegt mit erfundenen Figuren. Heute würde ich gerne darauf zurückgreifen, ist aber leider verschollen.
Später hatte ich großes Interesse an Karikaturen und habe eifrig an der Schülerzeitung mitgearbeitet. Die Kinder- und Bilderbuchillustration hat mich dann erst im Studium so richtig gepackt. Illustrator war also wirklich immer mein Traumberuf!

Meine Eltern hätten mich zwar lieber als Kunstlehrer gesehen (typisch: selbst Lehrer), aber jetzt sind eigentlich alle froh, dass es anders gekommen ist – einschließlich der Schüler 😉

Aus Ihrer Autorenvita geht hervor, dass Sie nach einem Studium der Illustration noch einen Abschluss in Philosophie gemacht haben. Als studierte Philosophin darf ich erstaunt nachfragen: Warum um Himmels Willen haben Sie das denn noch gemacht?!

Tja, das hat sich so gefügt. Im Grunde kam das durch die kunsttheoretischen Kurse im Design-Studium. Unser damaliger Dozent, Michael Quante, (mittlerweile Professor an der Uni-Münster) hat einfach wahnsinnig gute Lehre gemacht. Mich haben dabei besonders die Themen der praktischen Ethik und Ästhetik interessiert. So kam es, dass ich mich während des Illustrationsstudiums als Zweithörer einschrieb und einige Seminare (hauptsächlich bei Prof. Quante) absolvierte. Als ich mich nach dem Design-Diplom schon im Haupstudium Philosophie befand, war es für mich klar, das auch abzuschließen.
Außerdem gab es mir etwas Zeit zu schauen, wie es zeitgleich mit Illustrationsaufträgen weiter ging. Quasi als Probezeit.

Neben Ihren eigenen Texten und Ideen, haben Sie auch die Neuauflage des Kinderbuchklassikers „Urmel“ von Max Kruse (Thienemann Verlag) illustriert. Ein Projekt, um das Sie viele Kollegen sicherlich beneiden. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Thienemann ergeben? War die Illustration des „Urmeli“ ein Herzensprojekt für Sie?

Das war eine große Ehre für mich. Ich fand Urmel großartig, weil es auch manchmal so schön schräg ist. Die Zusammenarbeit hatte sich bei Thienemann ergeben, da ich zuvor schon ein Märchenbilderbuch und eine Sonderausgabe zu „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ illustriert hatte. Da war ich also schon „klassikererprobt“.

Leider habe ich Max Kruse zu Lebzeiten nicht persönlich getroffen, aber es war schon ein Erlebnis, wie er noch mit über 90 Jahren an Texten arbeitete und mir E-Mails schrieb.

Es war toll, dass ich nicht nur an Neuauflagen der bestehenden Bilderbüchern arbeiten durfte, sondern auch die letzten Neuveröffentlichungen von Max Kruse begleiten durfte (wie „Urmel saust durch die Zeit“ oder zuletzt das Bilderbuch „Urmel taucht ins tiefe Meer“).

Ihren Arbeitsplatz haben Sie in Münster, im Ateliers Hafenstraße 64 – dem gleichen Atelier, in dem z.B. auch die Kinderbuch-Illustratoren Alexander Steffensmeier („Lieselotte lauert“ etc.), Daniel Napp („Dr. Brumm“ etc.) oder Stephan Pricken („Mix Max Miezekatz“ etc.) sitzen. Ich stelle mir Ihre Ateliergemeinschaft als heimlichen Hauptsitz der deutschen Kinderbuchmacher vor. Ein mythischer Ort, an dem viel Schabernack ausgeheckt wird. Ist die Hafenstraße 64 so ein Traumbüro? Und wie hat sich die geniale Zusammensetzung ergeben?

Das klingt gut! Ich denke wir machen uns ein Schild an die Tür: Hauptquartier der deutschen Kinderbuchmacher!!! Kommt bestimmt bei Kollegen gut an 😉

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Papperla-Pappbuch-Tipps für kleine Leute

Gehört ihr zu den Glücklichen, bei denen es gerade schneit? In Hamburg regnet es leider nur Bindfäden – dafür eignet sich das Wetter ganz famos zum Einkuscheln mit Lieblingsbüchern. Oder zur ersten Bestandsaufnahme des neuen Jahres. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich euch drei Pappbücher vorenthalten habe, die ihr (und alle 2,5-Jährigen) unbedingt kennen solltet. Eieiei! Na dann mal an die Bücher, fertig, los!

„Welches Pferd heißt Gerd?“

Das Cover dieses großartigen Wimmel-Such-Buches verrät es euch schon: Es geht um Einzigartigkeit. Denn genau wie alle anderen zu sein, ist doch langweilig. Es ist ok, anders zu sein und sich von der Masse abzuheben. Und so sucht man zwischen grasenden Ponys, das rasend schnelle Superpferd Gerd oder zwischen zahlreichen Hunden, den Ballerina-Mops Siegmund. Herrlich verrückte Reime und liebevolle Illustrationen und bringen in diesem Pappbuch-Knaller garantiert jeden zum Lachen!

„Genau wie jeder andere sein? Nö! Da sagen wir laut: ‚Nein!‘ Jeder ist – das ist doch klar -, so wie er ist, ganz wunderbar!“

Illustratorin Kathrin Wessel aka Käselotti designt Stoffe, näht für ihr Leben gern und hat sogar mal als Grafikdesignerin im Kinderbuchverlag Oetinger gearbeitet. Wer ihre Illustrationen genauso mag wie ich, sollte mal auf ihrer Website vorbeischauen. Dort kann man Broschen, Stoffe oder Postkarten in ihrem unverwechselbaren Stil erstehen. Yippieh!

welches pferd heißt gerd cover pappbuch„Welches Pferd heißt Gerd?“
von Kathrin Wessel und Anne-Kristin zur Brügge
Oetinger 2016
ISBN 978-3-7891-2455-6

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Bohem Verlag für schöne Bilderbücher

In regelmäßigen Abständen empfehle ich Euch nicht nur Bücher, sondern stelle Euch auch meine Lieblingsverlage vor. Wer weiß, vielleicht entdeckt Ihr so, das ein oder andere literarische Schätzchen, das ich nicht auf Lütte Lotte rezensiere. Heute darf ich Frau Lammers, Leiterin des Bohem Verlages zum Interview begrüßen. Den Bohem Verlag sollte man spätestens seit diesem Herbst kennen, „Der Hund, den Nino nicht hatte“ von Edward van de Vendel und Anton van Hertbruggen hat den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 in der Sparte Bilderbuch erhalten. Viel Vergnügen mit unserem Gespräch!

bohem-team-2015-10
Das Team des Bohem Verlags: Annabel Lammers (D), Sandra Baumgartner (CH), Stefan Baumgartner (CH) und Alexander Herbert (CH).

Liebe Frau Lammers, haben Sie vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Mögen Sie sich kurz vorstellen?

Danke! Gerne: Ich bin gebürtig aus Westfalen und über Umwege dazu gekommen, Kommunikationsdesign zu studieren. Mein Herz schlug immer schon für Bilderbücher. Seitdem ich denken kann, habe ich ‑„gesucht und gesammelt“. Nach 15 Jahren Selbstständigkeit und diversen Tätigkeiten für die Verlagsbranche, lernte ich durch eine Idee für ein Ausstellungskonzept Wolfgang Hölker kennen. Zunächst als freie Mitarbeiterin für Konzeption, Lektorat und Grafik für Coppenrath/Die Spiegelburg/Hölker Verlag wurde ich Verantwortliche für das Bohem Programm, das bereits über Coppenrath Distribution in Deutschland ausgeliefert wurde. Damals war der Verlag nur in der Schweiz, nun auch in Deutschland. Aber noch immer sind wir ein kleines Team. Continue reading „Bohem Verlag für schöne Bilderbücher“

Hut auf, Party ab!

Fete, Fete, Fete! Wenn Norbert eine Einladung zur „hutigsten Party aller Zeiten“ schickt, dann muss man auch mit Hut erscheinen. Was aber, wenn man keinen Hut besitzt? In „Hut auf, Party ab!“ wird dieses Problemchen grandios amüsant durchgespielt. Ein großer Spaß für alle, die eine gute Party zu schätzen wissen…

Norbert hat eingeladen: Zur „grösstesten, schönstesten, hutigsten Party aller Zeiten“. Klar, da braucht man einen Hut. Was aber, wenn man partout keinen findet? Dann muss halt Plan B funktionieren: Alli Affix der Affe, der zufällig einen wunderschönen Hut besitzt, kommt mit zur Party. Doch der Türsteher ist streng. Ein Hut ist ja schön und gut, aber ein Monokel muss schon auch dabei sein. Doch auch mit Monokel tragendem Dachs ist es nicht getan – dem Türsteher fallen immer neue verrückte Bedingungen ein. Gut, wenn man viele Freunde hat, die einem helfen. Auch wenn sich schlussendlich herausstellt, dass der Türsteher gar nicht zu Norberts Party gehört…

„Egal. Norberts Party war echt die Mühe wert…“

Hut auf Party ab Kate Findley Illustration Affe

Simon Philip und Kate Hindley ist mit „Hut auf, Party ab!“ ein vergnügliches und wunderschönes Bilderbuch gelungen. Bunt und verrückt! Ein besonderer Humor, der sowohl in der lakonischen Sprache als auch in den herrlich bunten Illustrationen durchklingt. Auf jeder Buchseite gibt es viel zu entdecken: Ulkige Tiere, charmante Gesichtsausdrücke, bunte Schlüpfer und und und. Kate Hindley hat an der Falmouth School of Art im schönen Cornwall studiert und im Gerstenberg Verlag bereits das Bilderbuch „Wie man ein Wollmammut wäscht“ herausgebracht.

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„Albert und der Baum“

Die Geschichte um den warmherzigen und gemütlichen Bären Albert ist eine Geschichte über Freundschaft und Verständnis. Über Mitgefühl und darum, das Teilen manchmal schöner sein kann, als etwas für sich alleine zu haben. Wie immer, haben es mir aber besonders die wunderbaren Illustrationen der preisgekrönten Britin Jenni Desmond angetan – es wird nicht das einzige Buch von ihr in meinem Regal bleiben!

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