„Durch den Wald“

Ach herrje. Kaum dreht man sich einmal um, ist es bereits Mitte Oktober. Dabei habe ich dieses großartige Buch seit Wochen bei mir liegen: „Durch den Wald“ von Nele Palmtag. Es ist bereits mit mir nach Stuttgart gereist (immerhin aus Hamburg und das ist fast so weit wie die Strecke, die die Protagonisten im Buch zurücklegen müssen…), wurde Freunden empfohlen und von Nicht-Kinderbuchmenschen (soll es ja geben) gelobt. Ein Blogpost entsteht erst heute dazu, aber gut Ding will Weile haben und alles zu seiner Zeit und nun ja, jetzt aber!

Pudel, Kater, Piep – wohnen bei Frau Lieb!

Frau Lieb wohnt mit ihren Haustieren Pudel, Kater und Piep am Stadtrand. Alle vier genießen ein vorzüglich entspanntes Leben in ihrem wohligen Zuhause. Nun findet Frau Lieb eines Tages ihre silberne Kette nicht, stürzt und bricht sich die Beine. Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denn Kater, Pudel und Piep dürfen natürlich nicht mit ins Krankenhaus. Während Frau Lieb also zur Genesung weggekarrt wird, breitet sich langsam Panik unter den drei Couchpotatoes aus – was wird denn jetzt aus uns? Als die Halskette wieder auftaucht, schmieden die drei einen Plan: Wir gehen zu Frau Lieb ins Krankenhaus und bringen ihr die Perlen. Sie freut sich und wir sind nicht mehr allein. Gesagt, getan. Und so beginnt ein riesiges Abenteuer für Pudel, Kater und Piep. Denn erst einmal müssen sie durch den dunklen Wald…

Reim dich oder ich fress dich!

Ich liebe, liebe, liebe gut gereimte Kinderbücher. „Durch den Wald“ ist ein Meisterwerk der subtilen Reimkunst. Für Kinder gut zu verstehen, mit vielen versteckten Pointen für den erwachsenen Vorleser. Das gemütliche Vorstadtleben des Liebschen Haushalts wird bereits auf der ersten Doppelseite perfekt auf den Punkt gebracht:

„Weil Frau Lieb sich viele Sorgen macht, wird die Zeit vor allem im Haus verbracht. Und wenn dann doch mal einer muss? Niemals allein raus! – Immer: „Bei Fuß!“ Mit Fleiß wird hier das Haus gepflegt, die Tiere werden verwöhnt und gehegt.“

Die Kombination aus starken Reimen und farbenfrohen Buntstiftzeichnungen macht einfach Spaß. Es gibt so viel zu entdecken! Schon die Verse der ersten Seite illustrieren die Szenerie perfekt. Doch in Kombination mit den Bildern kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus: Der dicke Kater auf dem Sofa, vor ihm eine Etagere mit Pralinen. Frau Lieb und der Pudel föhnen sich zeitgleich ihre Haarpracht. An den Wänden Bilder aus längst vergangenen Zeiten: Frau Lieb singend auf der Bühne. Neben dem Schallplattenspieler die LP der Oper „Carmen“. Und hinter dem gemusterten Küchenvorhang wartet bereits der Melitta-Filter auf der Kaffeekanne auf seinen Einsatz. Wie bei Oma eben!

„Im Wald wird’s nun dunkel, schwarz senkt sich die Nacht…“

Oh weh, die Reise der drei Haustiere ist ein richtiges Abenteuer. Drei, vier Doppelseiten sind wirklich düster und ich befürchte, nichts für schwache Kindernerven. Natürlich geht alles gut aus – die Tiere im Wald sind natürlich total nett. Man kannte sich vorher halt nicht und was man nicht kennt, das macht einem erst einmal Angst. Trotzdem: Obacht, sollten eure Kinder eher ängstlich sein! Die Zeichnungen sind duster, dunkelblau bis dunkelgrün und hinter jeder dunklen Ecke versteckt sich etwas im Wald.

Autorin und Illustratorin Nele Palmtag kannte ich bisher zwar flüchtig (nicht persönlich – ich meine ihr Werk), aber so richtig mochte mir vor der Lektüre von „Durch den Wald“ nicht einfallen, was sie bisher bereits herausgebracht hatte. Dabei sind ihre Bücher z.B. bereits bei Carlsen, Ueberreuter und Atlantis erschienen. Alles wunderschön illustrierte Titel, schaut sie euch hier einmal an. Meine steile These: Mit „Durch den Wald“ wird sie bestimmt den ein oder anderen Preis erhalten und bald ein Star der Bilderbuchszene sein – ich würde es ihr wünschen!

Und die Moral von der Geschicht‘?

Tja, alles will ich euch natürlich nicht verraten. Aber vermutlich könnt ihr es euch schon denken: Nur wer auch ab und an mal ein Risiko eingeht oder etwas wagt, wird auch überrascht. Und in diesem Fall positiv. Das Leben kann Angst machen – da draußen ist so viel, das man nicht kennt. Aber das macht das Leben halt aus. Und nur wer ab und an neue Wege geht, kann auch neue Freunde finden. Selbst die sonst so vorsichtige Frau Lieb kennt sich mit dem aufregenden Leben aus. Ihr müsst nur mal drauf achten, was sich in ihrem Anhänger an ihrer Kette verbirgt… Ich glaube, Frau Lieb hatte ein wahnsinnig aufregendes Leben!


„Durch den Wald“

von Nele Palmtag
ISBN: 978-3-942795-56-2
Kunstanstifter Verlag
Erschienen im August 2017

Hallo zurück mit Paule Pinguin!

Es scheint ewig her zu sein – wann habe ich das letzte Mal etwas gebloggt? Heute melde ich mich zurück. Uns geht es dufte, ich bin im Mutterschutz und habe endlich wieder die Ruhe, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen. Mein schlechtes Gewissen ist mindestens so hoch, wie der Stapel Herzensbücher, die ich euch vorstellen möchte. Nun denn, Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Den Anfang macht „Paule Pinguin allein am Pol“ von Jory John und Lane Smith, erschienen bei Carlsen.

Was habe ich mich gefreut, als das Buch bei mir ankam. Die Carlsen-Ladies Ute und Ramona geben sich aber auch immer wahnsinnig viel Mühe! Dieser Titel kam in Paule Pinguin Geschenkpapier verpackt, plus persönlichem Anschreiben und Poster. Danke, ihr Lieben! Mit „Paule Pinguin allein am Pol“ trefft ihr genau meinen Geschmack. Sowohl Aufmachung, Illustrationen, Text als auch (wenn man es denn so nennen möchte) „Message“ zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Dieser mürrische kleine Meckerpinguin ist mir sofort ans Herz gewachsen.

Der Inhalt des Buches ist schnell erzählt: Paule Pinguin ist schlecht drauf. Alles nervt ihn. Er hat Hunger. Das Meer riecht ihm zu salzig. Sein Schnabel friert und sowieso hat er dermaßen viele Probleme – und keiner interessiert sich dafür! Bis ihm just ein Walross auf die Schulter tippt, das durchaus ein paar Zeilen Weisheit zu Paules Miesepetrigkeit beizutragen hat:

„Ja, hier draußen ist es nicht immer einfach. […] Aber hör gut zu, mein Freund: Ich würde niemals mein Leben gegen ein anderes eintauschen, und du, schätze ich, genauso wenig.“

Paule kekst sich nach dem Walross-Monolog natürlich gleich wieder auf – „Wer, um alles in der Welt, war das denn?“. Muss aber einsehen, dass das Walross Recht hat. Er hat Gründe, sein Leben wertzuschätzen. Er hat seine Freunde, Familie, er hat ein Zuhause und Meer und Berge sind auch ganz in Ordnung. Alles in allem, also gar nicht so dramatisch.

Woran mich „Paule Pinguin allein am Pol“ erinnert? An eine Mischung aus Lane Smiths Titel „Das ist ein Buch“, der „Ohne dich ist alles doof“-Welt, Jory Johns Titel „Alle meine Freunde sind tot“, gemischt mit einer großen Prise Sarkasmus und Erwachsenenhumor. Und der macht den Reiz an diesem Bilderbuch für mich aus: Jory Johns und Lane Smiths außergewöhnlicher Humor. Ähnlich wie in „Das ist ein Buch“ lesen sich die kurzen mauligen Sätze des kleinen Pinguins recht trocken. Man hört Paules genervten Tonfall förmlich. Ein herrlicher Vorlesespaß! Wer „Das ist ein Buch“ nicht kennt, sollte sich dieses Video unbedingt ansehen:

Und auch die „Message“ empfinde ich gelungen. Paule hat keinen plötzlichen Sinneswandel, aber er nimmt sich die Worte des fremden Walrosses zu Herzen. Klar, erst einmal empfindet er dessen Monolog (im Kontext dieses Buches ist es tatsächlich ein wahnsinnig langer Part) als übergriffig. Nach und nach dämmert dem Meckerpinguin aber dessen Wahrheit: Das Leben ist nicht immer toll und lustig und Spaß macht es auch nicht immer. Aber hey, auch schlechte Tage gehören dazu. Und letztendlich ist unser Leben einzigartig – dafür sollten wir dankbar sein. Denk noch einmal drüber nach, gibt es nicht auch in dunklen Stunden etwas, wofür wir trotz allem dankbar sind?

Absolut! Wofür seid ihr denn besonders dankbar? Dieses Buch ist vielleicht mal wieder ein Anlass, darüber nachzudenken…


„Paule Pinguin allein am Pol“

von Jory John & Lane Smith
ISBN 978 3 551 51854 5
Carlsen Verlag
Erschienen im Juli 2017

 

 

 

P.s.: Lustiger Fakt am Rande: Bis zum Ende dieses Beitrages habe ich mich gefragt, warum das Buch „Paule Pinguin allein am Pool“ heißt… Uups!

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Illustratorin Julie Völk im Gespräch

Ihre Bücher kenne und liebe ich alle, jetzt hat sie mir sogar ein paar Fragen beantwortet. Die sympathische Illustratorin Julie Völk malt zauberschöne verträumte Bilder. Ihre Bilderbücher sind bereits mehrfach ausgezeichnet – für ihre Bachelorarbeit „Das Löwenmädchen“ hat sie 2015 sogar den Troisdorfer Bilderbuchpreis erhalten! Ich hoffe sehr, dass noch viele, viele Bücher von ihr erscheinen werden, die ich allesamt dem kleinen Minimenschlein in meinem Bauch zeigen möchte… Viel Spaß mit unserem Interview!

Liebe Julie, danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Deine Illustrationen sind preisgekrönt und du vermutlich immerzu beschäftigt… Sag mal, wolltest du schon immer Illustratorin werden oder hättest du dir auch eine andere Zukunft vorstellen können?

Julie Völk SelbstportraitUrsprünglich wollte ich Millionärin werden. Damit ich wunderschöne Waisenhäuser bauen kann mit allem, was man sich als Kind so wünscht. Schwimmbad, Toberaum, Ställe für Pferde und Tiere, Kuschelraum, riesige Küche, traumhafter Garten und gemütliche Kinderzimmer. So bin ich eigentlich zum Zeichnen gekommen, denn das muss ja alles entworfen werden. Und die Kinder die darin wohnen sollten habe ich dann auch gezeichnet.

Als es dann aber irgendwann ernsthaft darum ging was man werden möchte, wollte ich unbedingt etwas mit Zeichnen machen. Architektur, Kostümdesign oder Modedesign waren die ersten Gedanken, aber als mir klar wurde, dass man auch Illustratorin werden kann, stand mein Entschluss fest. „Illustratorin Julie Völk im Gespräch“ weiterlesen

Vorfreude! Bilderbuch-Lieblinge des Sommers

Endlich scheint in Hamburg die Sonne! Dieses Jahr war der Winter gefühlt sieben Monate lang. Trotzdem stecke ich beruflich schon wieder in der kalten Jahreszeit, wälze Vorschauen, entdecke Bilderbuch-Lieblinge und Belletristik-Highlights des Herbstprogramms und plane Lesungen. Warum dann nicht gleich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und Euch an meiner Ausbeute teilhaben lassen? Et voilà! Hier sind meine acht Bilderbuch-Lieblinge des Sommers bzw. Herbstes 2017.

 

„Als Oma immer kleiner wurde“

von Inka Pabst und Mehrdad Zaeri
Tulipan Verlag | Erscheint am 24.07.2017

Bei Bilderbüchern bin ich kritisch: Wenn mir das Cover schon nicht gefällt, sehe ich mir das Buch meist gar nicht an. Bei „Als Oma immer kleiner wurde“ war es genau andersherum! Was für eine wunderschön zarte, zu Herzen gehende Illustration! Mehrdad Zaeri habe ich durch den Facebook-Account der Bücherkinder kennengelernt und seither großer Fan seiner Kunst. Er ist vermutlich die perfekte Besetzung, um Inka Pabst Geschichte um Oma, die immer gebrechlicher mit dem Alter wird, zu bebildern. Große Vorfreude!

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Indiebookday – Für Kinderbuchleser

Einmal im Jahr feiert das Netz kleine und unabhängige Verlage und ihre klasse Bücher. Leider gehen diese in der Flut der Neuerscheinungen oft unter. Große Verlage sind in Buchhandlungen automatisch zahlreicher vertreten, da sie auch viel mehr Titel auf den Markt bringen. Daniel Beskos aus dem Mairisch Verlag möchte die Sichtbarkeit der Kleinen verbessern und veranstaltet deshalb am morgigen Samstag bereits zum fünften Mal den Indiebookday.

Das Mitmachen ist ganz einfach:
  • Geht in eure Lieblingsbuchhandlung
  • Kauft ein Buch eines kleinen oder unabhängigen Verlages
  • Postet ein Bild des Buches auf dem Social-Media-Kanal eurer Wahl
  • Verwendet den Hashtag #indiebookday

Es gibt viele Möglichkeiten herauszufinden, welche Verlage klein und unabhängig und damit indie sind. Die Kurt-Wolff-Stiftung bringt einmal jährlich einen Katalog mit 65 unabhängigen Verlagen heraus. Aber z.B. auch Mara von Buzzaldrins Bücher hat eine klasse Liste veröffentlicht. Was mir immer fehlt, ist eine Übersicht über unabhängige Kinderbuchverlage. Deshalb habe ich hier mal ein paar versammelt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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„Herr Panda und das BITTE“

Ach ja, die Höflichkeit. Bekannterweise haben wir ja alle ein anderes Empfinden, wenn es ans Thema Höflichkeit geht. Worauf sich die meisten unter uns jedoch einigen können, ist, dass Danke und Bitte zum Grundwortschatz gehören sollten. Wer das mit seinen Kindern üben möchte, sollte sich „Herr Panda und das BITTE“ anschaffen.

„Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“ – Arthur Schopenhauer

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Herr Panda hat einen Karton voll Donuts. Er geht von Tier zu Tier und fragt: „Möchtest du einen Donut?“ Keines der Tiere antwortet mit „Ja, danke!“ oder „Bitte den Blauen!“, sodass Herr Panda seine Donuts doch lieber für sich behält. Erst das letzte Tier antwortet sehr höflich auf seine Frage: „Darf ich einen Donut haben? Bitte, Herr Panda.“ Und Herr Panda schenkt ihm alle – er mag gar keine Donuts. „„Herr Panda und das BITTE““ weiterlesen

Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch

Vor ein paar Tagen bin ich durch Eimsbüttel geschlendert und an der wunderbaren Buchhandlung Lüders vorbeigekommen. Hier durfte ich vor etlichen Jahren (ist es wirklich schon 12 Jahre her…?) mein erstes Praktikum machen. Ein fabelhafter Buchladen, der zum stöbern verführt und immer noch zu meinen Lieblingsorten in Hamburg zählt. Sie haben eine kleine, aber gut sortierte Bilderbuchecke, in der ich einen Schatz gefunden habe: „Papa ist doch kein Außerirdischer!“ von Anna Boulanger. Ein Buch, das alle Vorurteile gegenüber Homosexualität mit historisch anmutenden, zarten Illustrationen ad absurdum führt.

Viele Namen für eine einfache Erklärung

Theo verbingt jedes Wochenende bei seinem Vater. Für ihn heißt er Paul oder Papa. Andere Menschen nennen seinen Vater jedoch Höhlenforscher, Torfstecher oder Warmer. Sein Vater erhält allerlei Spitznamen, die Theo nicht versteht. Eines Tages erzählt Theo seinem Vater von den vielen Namen und versteht:

„Die ganzen Sachen, die ich gehört habe, bedeuten einfach nur, dass mein Papa schwul ist. Das heißt, dass er Männer liebt.“

Anna Boulangers Bilderbuch beschäftigt sich kindlich naiv mit den Auswirkungen der Sprache auf unser Denken. Das Vorsatzpapier dieses wunderschön gestalteten Bilderbuches zeigt Fetzen von Wörterbucheinträgen: Alles Synonyme für Homosexualität. Boulanger hat die Wörter zusammengetragen und ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, Flügel verpasst. Neben den schwebenden Wörterbucheinträgen steht ein junger Mann mit suchendem Gesichtsausdruck und Höhlenforscher-Equipment – verloren zwischen den vielen Doppeldeutigkeiten. „Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch“ weiterlesen

Illustrator Günther Jakobs im Interview

Im letzten Beitrag habe ich mir noch ein Interview mit ihm gewünscht und voilá, nun ist es soweit. Danke an Carlsen und Kinderbuch-Macher Günther Jakobs, der sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Bis vor kurzem war mir sein Name noch unbekannt, dabei besitze auch ich eine „Urmel“-Ausgabe des Münsteraners… Da wird es doch höchste Zeit, den Künstler besser kennenzulernen! Viel Vergnügen mit unserem Interview!

Lieber Günther Jakobs, Sie sind Illustrator – war das schon immer Ihr Traumberuf?

Illustrator Kinderbuch Günther Jakobs
Ich habe als Kind gerne Comics gelesen. Und wollte auch gerne so etwas machen. Ich habe mir damals als Schüler einen Karteikasten angelegt mit erfundenen Figuren. Heute würde ich gerne darauf zurückgreifen, ist aber leider verschollen.
Später hatte ich großes Interesse an Karikaturen und habe eifrig an der Schülerzeitung mitgearbeitet. Die Kinder- und Bilderbuchillustration hat mich dann erst im Studium so richtig gepackt. Illustrator war also wirklich immer mein Traumberuf!

Meine Eltern hätten mich zwar lieber als Kunstlehrer gesehen (typisch: selbst Lehrer), aber jetzt sind eigentlich alle froh, dass es anders gekommen ist – einschließlich der Schüler 😉

Aus Ihrer Autorenvita geht hervor, dass Sie nach einem Studium der Illustration noch einen Abschluss in Philosophie gemacht haben. Als studierte Philosophin darf ich erstaunt nachfragen: Warum um Himmels Willen haben Sie das denn noch gemacht?!

Tja, das hat sich so gefügt. Im Grunde kam das durch die kunsttheoretischen Kurse im Design-Studium. Unser damaliger Dozent, Michael Quante, (mittlerweile Professor an der Uni-Münster) hat einfach wahnsinnig gute Lehre gemacht. Mich haben dabei besonders die Themen der praktischen Ethik und Ästhetik interessiert. So kam es, dass ich mich während des Illustrationsstudiums als Zweithörer einschrieb und einige Seminare (hauptsächlich bei Prof. Quante) absolvierte. Als ich mich nach dem Design-Diplom schon im Haupstudium Philosophie befand, war es für mich klar, das auch abzuschließen.
Außerdem gab es mir etwas Zeit zu schauen, wie es zeitgleich mit Illustrationsaufträgen weiter ging. Quasi als Probezeit.

Neben Ihren eigenen Texten und Ideen, haben Sie auch die Neuauflage des Kinderbuchklassikers „Urmel“ von Max Kruse (Thienemann Verlag) illustriert. Ein Projekt, um das Sie viele Kollegen sicherlich beneiden. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Thienemann ergeben? War die Illustration des „Urmeli“ ein Herzensprojekt für Sie?

Das war eine große Ehre für mich. Ich fand Urmel großartig, weil es auch manchmal so schön schräg ist. Die Zusammenarbeit hatte sich bei Thienemann ergeben, da ich zuvor schon ein Märchenbilderbuch und eine Sonderausgabe zu „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ illustriert hatte. Da war ich also schon „klassikererprobt“.

Leider habe ich Max Kruse zu Lebzeiten nicht persönlich getroffen, aber es war schon ein Erlebnis, wie er noch mit über 90 Jahren an Texten arbeitete und mir E-Mails schrieb.

Es war toll, dass ich nicht nur an Neuauflagen der bestehenden Bilderbüchern arbeiten durfte, sondern auch die letzten Neuveröffentlichungen von Max Kruse begleiten durfte (wie „Urmel saust durch die Zeit“ oder zuletzt das Bilderbuch „Urmel taucht ins tiefe Meer“).

Ihren Arbeitsplatz haben Sie in Münster, im Ateliers Hafenstraße 64 – dem gleichen Atelier, in dem z.B. auch die Kinderbuch-Illustratoren Alexander Steffensmeier („Lieselotte lauert“ etc.), Daniel Napp („Dr. Brumm“ etc.) oder Stephan Pricken („Mix Max Miezekatz“ etc.) sitzen. Ich stelle mir Ihre Ateliergemeinschaft als heimlichen Hauptsitz der deutschen Kinderbuchmacher vor. Ein mythischer Ort, an dem viel Schabernack ausgeheckt wird. Ist die Hafenstraße 64 so ein Traumbüro? Und wie hat sich die geniale Zusammensetzung ergeben?

Das klingt gut! Ich denke wir machen uns ein Schild an die Tür: Hauptquartier der deutschen Kinderbuchmacher!!! Kommt bestimmt bei Kollegen gut an 😉

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Papperla-Pappbuch-Tipps für kleine Leute

Gehört ihr zu den Glücklichen, bei denen es gerade schneit? In Hamburg regnet es leider nur Bindfäden – dafür eignet sich das Wetter ganz famos zum Einkuscheln mit Lieblingsbüchern. Oder zur ersten Bestandsaufnahme des neuen Jahres. Mir ist nämlich aufgefallen, dass ich euch drei Pappbücher vorenthalten habe, die ihr (und alle 2,5-Jährigen) unbedingt kennen solltet. Eieiei! Na dann mal an die Bücher, fertig, los!

„Welches Pferd heißt Gerd?“

Das Cover dieses großartigen Wimmel-Such-Buches verrät es euch schon: Es geht um Einzigartigkeit. Denn genau wie alle anderen zu sein, ist doch langweilig. Es ist ok, anders zu sein und sich von der Masse abzuheben. Und so sucht man zwischen grasenden Ponys, das rasend schnelle Superpferd Gerd oder zwischen zahlreichen Hunden, den Ballerina-Mops Siegmund. Herrlich verrückte Reime und liebevolle Illustrationen und bringen in diesem Pappbuch-Knaller garantiert jeden zum Lachen!

„Genau wie jeder andere sein? Nö! Da sagen wir laut: ‚Nein!‘ Jeder ist – das ist doch klar -, so wie er ist, ganz wunderbar!“

Illustratorin Kathrin Wessel aka Käselotti designt Stoffe, näht für ihr Leben gern und hat sogar mal als Grafikdesignerin im Kinderbuchverlag Oetinger gearbeitet. Wer ihre Illustrationen genauso mag wie ich, sollte mal auf ihrer Website vorbeischauen. Dort kann man Broschen, Stoffe oder Postkarten in ihrem unverwechselbaren Stil erstehen. Yippieh!

welches pferd heißt gerd cover pappbuch„Welches Pferd heißt Gerd?“
von Kathrin Wessel und Anne-Kristin zur Brügge
Oetinger 2016
ISBN 978-3-7891-2455-6

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Bohem Verlag für schöne Bilderbücher

In regelmäßigen Abständen empfehle ich Euch nicht nur Bücher, sondern stelle Euch auch meine Lieblingsverlage vor. Wer weiß, vielleicht entdeckt Ihr so, das ein oder andere literarische Schätzchen, das ich nicht auf Lütte Lotte rezensiere. Heute darf ich Frau Lammers, Leiterin des Bohem Verlages zum Interview begrüßen. Den Bohem Verlag sollte man spätestens seit diesem Herbst kennen, „Der Hund, den Nino nicht hatte“ von Edward van de Vendel und Anton van Hertbruggen hat den Deutschen Jugendliteraturpreis 2016 in der Sparte Bilderbuch erhalten. Viel Vergnügen mit unserem Gespräch!

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Das Team des Bohem Verlags: Annabel Lammers (D), Sandra Baumgartner (CH), Stefan Baumgartner (CH) und Alexander Herbert (CH).

Liebe Frau Lammers, haben Sie vielen Dank, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Mögen Sie sich kurz vorstellen?

Danke! Gerne: Ich bin gebürtig aus Westfalen und über Umwege dazu gekommen, Kommunikationsdesign zu studieren. Mein Herz schlug immer schon für Bilderbücher. Seitdem ich denken kann, habe ich ‑„gesucht und gesammelt“. Nach 15 Jahren Selbstständigkeit und diversen Tätigkeiten für die Verlagsbranche, lernte ich durch eine Idee für ein Ausstellungskonzept Wolfgang Hölker kennen. Zunächst als freie Mitarbeiterin für Konzeption, Lektorat und Grafik für Coppenrath/Die Spiegelburg/Hölker Verlag wurde ich Verantwortliche für das Bohem Programm, das bereits über Coppenrath Distribution in Deutschland ausgeliefert wurde. Damals war der Verlag nur in der Schweiz, nun auch in Deutschland. Aber noch immer sind wir ein kleines Team. „Bohem Verlag für schöne Bilderbücher“ weiterlesen