“Käpten Eichhörnchen und die Zaubertür”

Die Geschichte um Käpten Eichhörnchen und seine Crew klang vielversprechend. Leporello Lesen wählte den Titel sogar unter “Die besten Bücher 2014”. Mein Urteil fällt leider anders aus…

Der Verlag Gerstenberg schreibt über den Titel “Käpten Eichhörnchen und die Zaubertür”:

“Vergesst Käpten Flint! Vergesst Schwarzbart, den Schrecken der Karibik! Denn hier kommt Käpten Eichhörnchen! Alle Welt fürchtet ihn, denn der Käpten ist nicht nur ein Pirat, sondern auch ein Gespenst.
Eines Mitternachts, mitten auf hoher See, geschieht etwas Seltsames: Walther Biber, der Schiffszimmermann, entdeckt tief unten im Bauch des Schiffes eine Tür – unter der Wasseroberfläche, wo eigentlich gar keine Tür sein dürfte! Ob sich jemand traut, diese geheimnisvolle Zaubertür zu öffnen? Derweil steht Jack Wombat, der Steuermann, oben an Deck und träumt seinen ganz eigenen Traum – nie wieder kalte Ohren, das wäre was!”

Voller Neugier begann ich also das Bilderbuch durchzublättern. Die Geschichte der Zaubertür, die die Mannschaft um Käpten Eichhörnchen entdeckt, könnte auch wirklich spannend sein – leider verschenkt das Buch all sein Potenzial. Nicht mal die wunderschönen Illustrationen von Jens Rassmus, können diesen Leseeindruck noch aufwerten.

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From The New York Public Library

Eines Abends findet der Schiffszimmerer Walther Biber eine Zaubertür. Hinter dieser Tür befindet sich genau das, was der Durchgehende sich wünscht: Die Haselmaus steht im Käseland. Die Unke im Unkenhimmel. Eine klasse Idee! Doch leider lässt das immer betrunkene Eichhörnchen, der Kapitän des Schiffes, die Tür zu nageln und die Besatzung geht wohl oder übel schlafen. Das ist auch schon die ganze Story des Bilderbuchs.

Ob ein betrunkenes Eichhörnchen der beste Protagonist für eine Kindergeschichte ist, sei dahingestellt. Dass dieser allerdings weder charmant noch ironisch überspitzt noch lieb oder trottelig rüberkommt, ist eine massive Schwäche des Buches.

Das Eichhörnchen greift im Text mehrmals zur Rum-Flasche und leert diese zur Gänze, um anschließend zornig seine Mannschaft anzuschreien. Ein durch und durch unsympathisches Tier, das seine Mitreisenden drangsaliert und selbst den erwachsenen Leser mit einem unguten Gefühl zurücklässt. Dass Käpten Eichhörnchen ein Gespenst und in Vollmondnächten vollkommen durchsichtig ist, hat keinerlei Relevanz für den Fortgang der Geschichte – außer, dass der Leser natürlich den Rum durch ihn hindurchgluckern sehen kann.

Im Leporello Lesen wird das Buch als humorvoll bezeichnet: “Noch nie haben Piraterie und Philosophie so wunderbar zusammengepasst.” Wirklich? Das ist Philosophie? Die Nebenfiguren des Buches haben Wünsche und Sorgen, die bestimmt noch viele Seiten gefüllt hätten. Leider ist die “Moral von der Geschicht'”, dass ein betrunkenes Eichhörnchen immer lauter ist als du. Wenn das Philosophie für Kinder ist, sollte mir mein Philosophie-Studienabschluss entzogen werden.

Eichhörnchen_gerahmt

„Käpten Eichhörnchen und die Zaubertür“ lässt mich verstört und enttäuscht zurück. Die Geschichte hat keinen erkennbaren roten Faden. Weder das Gespenstermotiv, die Wünsche, Sehnsüchte und Ängste der Mannschaft noch das Rätsel um die Zaubertür werden ausgebaut. Der Protagonist ist ein jähzorniges betrunkenes Gespenster-Eichhörnchen – was soll man dazu noch sagen…

 

Christopher Ecker/Jens Rassmus
Erscheinungsjahr: 2014
Verlag: Gerstenberg
Empfohlen ab: 5 Jahre
ISBN: 9783836957502

 

Diese Rezension ist als erstes auf dem Blog Bücherkinder erschienen.

 

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