Back to the future: Mediennutzungsverhalten in 2015

Ende der 80er Jahre kam der Sci-Fi-Streifen „Zurück in die Zukunft II“ in die Kinos. Filmheld Marty McFly reist mit seiner Zeitmaschine einem umgebauten DeLorean-Sportwagen in das Jahr 2015 und trifft auf eine verblüffende Welt, voll von allerlei technischen Gerätschaften. Zugegeben, sich selbst schnürende Schuhe und fliegende Skateboards nutzen wir heutzutage nicht. Dafür sind Videochats, Datenbrillen und 3D-Filme mittlerweile Realität geworden. Doch was nutzen die Jugendlichen von heute wirklich? Welche Medien konsumieren Kinder viel und gern?

In der letzten Zeit sind mehrere Studien zum Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht worden. Die Bitkom-Studie zu Kindern und Jugendlichen in der digitalen Welt aus dem letzten Jahr macht deutlich, wie stark die digitalen Medien mit dem Alltag der Kinder im Jahr 2015 verknüpft ist. Laut Bitkom-Studie beginnt die Nutzung sozialer Netzwerke bereits im Alter von 10 bis 11 Jahren. In diesem Alter geben bereits 94% der befragten Kinder und Jugendlichen an, täglich online zu sein. Im Schnitt 22 Minuten. Im Alter von 12 bis 13 Jahren besitzen bereits 84% der Jugendlichen ein Smartphone. Von den 16 Jährigen gehen sogar 89% der Befragten meistens mit dem Smartphone online – es ist das wichtigste Zugangsgerät ins Internet. Für die Kinder von heute bedeuten Handy, Computer oder Tablet automatisch auch online sein.

Die KidsVerbraucherAnalyse 2014 aus dem Hause Egmont zeichnet noch ein weiteres Bild: Bücher und Zeitschriften haben für Kinder und Jugendliche immer noch eine hohe Relevanz. Rund 77% (4,5 Mio.) der 6- bis 13-Jährigen schmökern immerhin mindestens einmal wöchentlich in einem Buch, 74% (4,3 Mio.) in einer Zeitschrift. Jan Puhlmann, Leiter Media & Sales bei Egmont Ehapa Medien schlussfolgert daraus sogar: „Kinder lieben Printmedien.“ Ob man allerdings von Liebe sprechen kann, wenn das Printprodukt nur einmal in der Woche in die Hand genommen wird, sei dahingestellt.

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From The New York Public Library

Dass Kinder besonders Spiele lieben, ist jedoch unumstritten. Ob analog oder digital, „Games“ stehen bei Kindern und Jugendlichen hoch im Kurs. Besonders faszinierend sind laut KidsVA insbesondere Konsolen und Handhelds (z.B. Gameboy) sowie Spiele-Apps, PC-Spiele und Internet-Games. Doch die Studie betont, auch im Digitalzeitalter würden Puppen, Spielzeugautos oder Kartenspiele weiterhin intensiv genutzt. Die Digitalprodukte würden das Kinderzimmerequipment und das klassische Spielzeug nur ergänzen.

Wie ein Kinderzimmer jedoch eingerichtet wäre, wenn der Nachwuchs von Anfang an sein Spielzeug selbst kaufen würde? Faktisch kaufen Kinder in den ersten 6 Lebensjahren nicht selbst ein (Ausnahmen bestätigen die Regel). Dementsprechend landet wohl auch die ein oder andere Carrera-Bahn im Einkaufswagen, weil der Vater (nicht zwangsläufig der Sohn oder die Tochter) so gern damit spielen würde – ihm hat das als kleinem Jungen doch auch so viel Spaß bereitet! Erst mit Schulbeginn bekommen 50% der Kinder Taschengeld und fangen an, sich selbstständig über kaufbare Produkte zu informieren.

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From The New York Public Library

Die JIM-Studie 2013 befragte Kinder und Jugendliche, welche Medientätigkeiten ihnen in ihrem Alltag besonders wichtig seien. ‚Bücher lesen‘ landete bei den befragten Mädchen zwischen 12- und 19-Jahren im guten Mittelfeld mit 59%. Nur 44% der Jungen erachtete diese Tätigkeit als wichtig, womit ‚Bücher lesen‘ auf dem vorletzten Platz vor ‚Tageszeitung lesen‘ landet. Den größten Stellenwert haben ‚Musik hören‘ und ‚im Internet surfen‘ für die Jugendlichen.

Das Internet ist mit 90,2% das Informationsmedium Nr. 1.

Unangefochtener Star unter den Smartphone-Downloads ist laut JIM-Studie WhatsApp. Instant Messenger Dienste wie die amerikanische App besitzen knapp 80% der befragten Jugendlichen.

Auch wenn Bücher und Printmedien vergleichsweise schlecht abschneiden, ist Lese- und Schreibkompetenz die Basis für die kompetente Nutzung von Smartphone, Computer oder Internet. Die JIM-Studie 2014 belegt, dass insgesamt rund 39% der Kinder und Jugendlichen mehrmals pro Woche oder sogar täglich Bücher lesen. Bei den Mädchen sogar 51%. Leider hat regelmäßiges Lesen immer noch etwas mit der besuchten Bildungseinrichtung der Kinder und Jugendlichen zu tun. Während fast jeder Zweite am Gymnasium regelmäßig Bücher liest, ist es laut JIM-Studie an der Realschule nur jeder Dritte und an der Hauptschule nur jeder Vierte.

Doch welche Schlüsse kann man aus den verschiedenen Studien über das Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen heute ableiten? Kinder und Jugendliche nutzen verschiedene Medien zu unterschiedlichen Zwecken. Marty McFly hatte 1989 keine Ahnung, dass es mal ein einzelnes Gerät geben würde, welches sowohl zum Nachrichten schreiben, chatten, telefonieren, im Internet surfen, spielen und einkaufen benutzt wird. Das Smartphone ist integraler Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Interessant ist, dass Geschichten immer noch lieber analog als digital gelesen werden. Ob es daran liegt, dass es noch kein einheitliches Dateiformat für E-Reader gibt oder dass die Geräte noch zu teuer sind: „Harry Potter“, „Die Tribute von Panem“ oder “Gregs Tagebuch“ sind absolute Longseller im Printgeschäft.

Die DIVSI-U25-Studie aus 2014 zieht ein spannendes Fazit: Die heutige Mediennutzung dient den Befragten hauptsächlich zur Kommunikation. Medien-Angebote sind für Jugendliche eine „Infrastruktur für Freundschaften geworden“. Sei es nun, dass sich Jugendliche online über ihren Lieblingsstar informieren, sich online über soziale Netzwerke verbinden oder ganze Klassen sich über den neuesten Band der „Gregs Tagebuch“-Reihe austauschen. Wer dazugehören möchte, muss Medien nutzen.

Online zu sein heißt verbunden zu sein. Online zu sein ist kein technischer Zustand, es ist für die Generation U25 ein Gefühl: DAS Lebensgefühl.

Fliegende Autos, Pizza auf Knopfdruck und Roboter, die mit Hunden Gassi gehen wie in „Zurück in die Zukunft II“ gibt es zwar nicht, dafür hat 2015 Datenclouds, Flat-/Touchscreens und USB-Sticks mit 1 TB Speicherplatz zu bieten. Wer hätte sich das träumen lassen…

KidsVA: http://www.egmont-mediasolutions.de/pdf/services/studien/KVA%202014-PM.pdf
DIVSI U25: https://www.divsi.de/wp-content/uploads/2014/02/DIVSI-U25-Studie.pdf
Bitkom Jugend 3.0: http://www.bitkom.org/de/markt_statistik/64026_79221.aspx
JIM-Studie: http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf13/JIMStudie2013.pdf

http://www.mpfs.de/fileadmin/JIM-pdf14/JIM-Studie_2014.pdf

 

 

Dieser Beitrag ist am 12. Mai 2015 bereits auf dem Oetinger-Corporate-Blog erschienen.

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