Mit Liebe gemacht

Oh diese Frau hat es mir angetan: Die sympathische Karin arbeitet mit ihren Illustrationen, ihrem Charme und Witz gegen gängige Rollenklischees an. Ihr neues Projekt „Mit ohne Rosa“ soll die ewige „Rosa-Blau-Grenze“ sprengen und alternative Vorbilder für freche, mutige, schick schmutzige Mädchen aufzeigen. Na wenn wir kein Dreamteam sind, dann weiß ich auch nicht!? Sie hat mir Rede und Antwort gestanden und am Ende des Beitrages gibt es sogar eine Kleinigkeit zu gewinnen… 

Liebe Karin, magst du dich kurz vorstellen? Wer bist du und was machst du?

In einem kleinem Dorf am Niederrhein bin ich groß geworden und über ein Studium der Visuellen Kommunikation in Hannover, dann in Berlin gelandet. Hier arbeite ich frei als Illustratorin. Meine Arbeit wird oft durch meinem Alltag mit Kindern (Sohn, 7 und Tochter, 4 Jahre) Mann und Frau Mau (unserer Katze) angeregt. Als Kind habe ich es geliebt, durch Wald und Wiesen zu streunen und Schätze zu sammeln – heute verbringe ich am liebsten Zeit in unserem Schrebergarten oder streune über Flohmärkte.
 

 
Unter dem Label „Mit Liebe gemacht“ fertigst du wunderschöne Illustrationen und hast sogar schon Kinderbücher herausgebracht. Mit wem hast du denn schon alles gemeinsame Projekte auf die Beine gestellt und welches war für dich das spannendeste?
 
Schon seit dem Studium arbeite ich thematisch mit bzw. für Kinder, ob im Schulbuchverlag oder in der Werbeagentur für Kinderkommunikation. An der kommerziellen Agenturarbeit hat mich oft gefrustet, dass am Ende mehr Disney- und  Mangastil gefragt ist. Obwohl (oder gerade weil) man Kinder dazu befragt hatte – da merkte ich schnell, wieviel Einfluss Plakatwände eigentlich auf unsere Kinder haben.
 
Als ich das erste Kinderbuch gemacht habe, war es toll zu merken das ich als Illustratorin ein anderer Dienstleister bin. Hier wird meine Meinung und mein künstlerisches Schaffen gesehen und geschätzt. Im Bereich Kinderbuch gibt es viel mehr Freiraum und Nischen, es gibt immer mehr Verlage die Bücher abseits der klassischen Sehgewohnheiten und Themen produzieren. In meinen Kopf gibt es einige Themen für Kinderbücher, die ich gerne umsetzen würde. Es wäre ein Traum, wenn sich meine Arbeit irgendwann nur noch auf den Bereich Kinderbücher konzentrieren würde…
 
 
Deine Illustrationen sind ein Mix aus zarten Bleistiftstrichen, filigranen floralen Mustern und vollflächigen Farben. Wer sind deine illustratorischen Vorbilder? Wer oder was inspiriert dich?
 
Ich bin groß geworden mit Werken von Ali Mitgutsch und Büchern wie „Henriette Bimmelbahn“. Ich erinnere mich, das ich die Illustrationen von Lisl Stich oft als Vorbild für eigene Bilder benutzt habe. Die Blumenwiesen bei „Henriette Bimmelbahn“ fand ich fantastisch! Ihre unperfekte Art hat mich inspiriert, kreativ zu werden. Eine tolle Leistung für ein Kinderbuch. Diese fröhliche Anarchie mit der die Bahn die Strecke verlässt und einfach ihr Ding macht, hat wahrscheinlich auch seine Spuren hinterlassen.
 
Bei Ali Mitgutsch hab ich den kleinteiligen Blick für die humoristischen Details geliebt: Da pullert auch mal jemand in die Ecke oder man sieht einen nackten Po. Die Geschichten konnte ich selber weiterspinnen, keine lineare Handlung sondern nur meine Fantasie – herrlich. Er vereinfacht und reduziert. Diese Reduktion eröffnet dem Betrachter die Möglichkeit, das Bild im Kopf zu vervollständigen. Etwas was man vor allen Kindern nicht oft genug zutraut. Die Fantasie entsteht ja erst zwischen den Bildern.
 
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Gerade hast du ein neues Projekt gestaltet: MIT OHNE ROSA. Ein Appell für mehr Normalität in unseren Kinderzimmern und eine Korrektur der gängigen Rollenbilder. Ich war tatsächlich schockverliebt! Magst du uns etwas zu diesem Projekt erzählen?
 
Mit meiner Plakat-Serie „Mit Ohne Rosa“ möchte ich das gängige weibliche Rollenbilder korrigieren. Eine Plakatserie gegen die Pinkifizierung. Aus der Fee mache ich eine „Feeministin“, aus der Ballerina eine mutige Zirkusartistin und auf einem anderen Poster skatet eine kleine Rabaukin durchs Bild.
 

Wir brauchen eine Korrektur am gängigen Rollenbild. Ein neues Rollenbild, in meinem Fall das skatende Mädchen mit Blumenkranz im Haar.

Es sollte selbstverständlich sein, dass Mädchen Skateboard fahren. Dass Sie schnitzt. Dass Sie mutig ist. Dass ihr alle Wege offen stehen, und in keine Geschlechterschublade gesteckt wird. Die Poster müssen raus an die Wände, damit ein Kind neben all den „Rosa-Blau-Fallen“ in der Welt auch noch andere Referenzen hat.
 
„Mit ohne Rosa“ ist eine Plakatserie für Mädchen mit denen man Einhörner stehlen kann. Für Handwerkerinnen mit Sternenschein. Für Rabaukinnen. Die Bilder sind ein Appell für mehr Normalität an den Wänden unserer Kinderzimmer. Schicke schmutzige Girls brauchen Vorbilder! Ein Spiel mit Rosa und Blau und den dazugehörigen Klischees. Eine Liebevolle Ode an das Mädchen.
 
 
Mich ärgern stereotype Rollenklischees besonders im Kinderbereich: Rosa Ü-Eier, rosa Bleistift, Mädchen interessieren sich doch eh nur für Schminke und Pferde und Glitzer. So ein Schwachsinn! Dabei überrascht es mich immer wieder, dass die Werbung diese Klischees auch im Jahre 2016 immer wieder bedient. Welches war deine Schlüsselerfahrung, die zu MIT OHNE ROSA geführt hat?
 
Mir ist aufgefallen das meine Tochter im Zusammenhang mit Kleidung viel häufiger das Wort „schick“ zu hören bekommt als mein Sohn – und das aus allen Bildungsschichten. Sie braucht doch die selben großen Hosentaschen, um ihre Schätze zu verstauen, bequem genug um rumzutollen und zu klettern. Als Mama eines Mädchen (4) und eines Sohns (7) kenn ich somit beide Seiten. Einmal die „Rosa-Glitzer-Pony-Einhorn-Welt“ und auf der anderen Seite die „Blauen-Superhero-Typen“. Etwas, was ich aus meiner Kindheit in den 80ern so nicht kenne. Da gab es noch keine rosa Steinchen bei Lego, keine Pinkifizierung der Ü-Ei-Kollektion „nur für Mädchen“ oder ausschließlich rosa Smarties in einer Packung.
 
Was die Gleichstellung angeht würde man doch meinen, das wir heute weiter sind. Rosa ist ja nicht generell doof, wird nur als Farbe missbraucht. Ihr wird eine Funktion zugewiesen, eine Rollenerwartung. Rosa ist ok, bitte aber ordentlich verschmutzt durch Spielen, Klettern und in Pfützen springen.
 
Ich will mein Mädchen frei, wild und wenn sie mag auch gerne schick – und wenn sie ihre Meinung sagt, soll sie nicht als zickig gelten sondern als mutig.
An unseren Wänden da draußen, hängt so viel sexistischer Mist, der mein Kind beeinflusst – ob ich will oder nicht. Wir müssen das Rosa befreien! Ich will helfen Stereotypen in den Müll zu werfen. Also lackiert die Nägel, holt die Bohrmaschinen raus und plakatiert die Wände! Denn Mädels Just Want To Have Fun.  
 
Website & Webshop: www.mitliebegemacht.de
 

Gewinnspiel

Karin hat zwei großartige Pakete für Euch geschnürt, die wir Euch schenken möchten:

  1. Plakat Handwerkerin + ein Postkarten-Set mit alle Motiven
  2. Plakat Ballerina + ein Postkarten-Set mit alle Motiven

In den Lostopf wandert ihr automatisch, wenn ihr bis zum 26. November 2016 um 23.59 Uhr einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlasst. Am 27. werden die Gewinner ausgelost & hier bekanntgegeben. Viel Glück!

Laura & Karin

 

6 Kommentare zu „Mit Liebe gemacht

  1. Ich liebeliebeliebe Karins Stil – die Illustrationen sind ein Träumchen! Und dass sie auch noch eine intelligente, richtige und äußerst wichtige Botschaft haben, ist wirklich das i-Tüpfelchen 🙂 Ob ich meine kleine 5-jährige Schwester damit zur Feeministin erziehen kann hihi?!

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