“Albert und der Baum”

Die Geschichte um den warmherzigen und gemütlichen Bären Albert ist eine Geschichte über Freundschaft und Verständnis. Über Mitgefühl und darum, das Teilen manchmal schöner sein kann, als etwas für sich alleine zu haben. Wie immer, haben es mir aber besonders die wunderbaren Illustrationen der preisgekrönten Britin Jenni Desmond angetan – es wird nicht das einzige Buch von ihr in meinem Regal bleiben!

Albert ist ein Bär. Sein Winterschlaf ist vorbei und Albert kann sich nichts Schöneres vorstellen, als endlich wieder auf seinem Lieblingsbaum zu liegen. Kein anderer Baum im Wald ist so perfekt wie dieser. “Nicht zu hart, nicht zu weich, auch nicht zu rutschig oder zu kratzig.” Doch dieses Frühjahr passiert etwas Seltsames: Alberts Baum weint. Das war noch nie geschehen und verwirrt Albert zutiefst. Zum Glück haben die Tiere des Waldes ihre ganz eigenen Ideeen, wie sie den Baum wieder aufmunter können. Die Hasen graben Löcher, die Rentiere bringen dem Baum leckeres Gras. Aber nichts hilft. Das Weinen des Baums wird immer lauter. So laut, das Albert nur noch eine Lösung weiß: Er klettert auf seinen Lieblingsast, rückt ganz nah an den Stamm heran, breitet seine weichen Bärenarme aus und nimmt den Baum ganz fest in den Arm.

Dann flüstert er leise: “Warum weinst du Baum?”

Einen Moment ist es still, bis Alberts Baum leise antwortet: “Weil ich mich vor dem großen pelzigen Ungeheuer fürchte.” Es stellt sich heraus, dass eine kleine Eule in den Baum gezogen ist und sich so sehr vor Albert fürchtet, dass sie nicht mehr aufhören kann zu weinen! Aber Albert ist ja gar kein Ungeheuer und nachdem die beiden das Missverständnis geklärt haben, verstehen sie sich prima und freuen sich umso mehr, dass sie ihren Lieblingsbaum nun zu zweit genießen können.

Albert und der Baum CoverMir hat das Bilderbuch um Albert sofort gefallen – Albert ist ein sympathischer Protagonist, dem Gemütlichkeit und Ruhe wichtig sind. Als er den Verdacht hegt, seinem Baum könne es nicht gut gehen, kümmert er sich liebevoll und kreativ um den Leidenden. Was mir an “Albert und der Baum” aber am besten gefällt, sind die wunderschönen Illustrationen von Jenni Desmond. Immer öfter fällt mir auf, dass in Bilderbüchern eine eher gestelzte Sprache verwendet wird. Liegt es daran, dass (auch) das vorliegende Buch eine Übersetzung ist? Ich weiß es nicht. Es kann auch an den kulturellen Unterschieden in der Bilderbuch-Gestaltung und -Rezeption liegen, dass der im Original englische Text, auf Deutsch hölzern klingt. Vielleicht liegt es auch nur an meinen ganz persönlichen Vorlieben – wie auch immer. “Albert und der Baum” ist in meinen Augen ein wunderschönes Buch, das jedoch nicht den stärksten Text hat. Oft wird einfach die Illustration der Szenerie verschriftlicht. Damit macht sich das geschriebene Wort leider entbehrlich, denn Jenni Desmonds Bilder haben eine starke Aussagekraft. Da in diesem Fall die Illustratorin auch die Autorin des Buches ist, sei es ihr verziehen. Sowieso kann man nach der Lektüre von “Albert und der Baum” keine negativen Gefühle verspüren…

“You cannot write for children. They’re much too complicated. You can only write books that are of interest to them.”  – Maurice Sendak

jenni desmond by caro hutchinsJenni Desmond hat bereits eine handvoll Bilderbücher auf dem Markt. Gerade neu auf Deutsch erschienen sind “Albert und der Baum” im Magellan Verlag und “Der Blauwal” im Aladin Verlag. Ihre Illustrationen schaffen den Spagat zwischen zart und ausdrucksstark. Sie bestehen aus Tusche- und Aquarellzeichnungen, gepaart mit Radierungen, Buntstiftstrichen und Drucken, die digital arrangiert werden. Dadurch entstehen bunte Wälder im Frühling oder das Meer, in all seinen verschiedenen Blau-Fascetten. Jenni Desmonds Welten sehen im wahrsten Sinne des Wortes aus “wie gemalt”: Mal fotorealistisch, mal wie ein viele Jahrhunderte altes Ölgemälde. Ihre Protagonisten sind liebenswerte Gestalten, die kindgerechte Mimiken und charmanterweise auch andere naive Attribute aufweisen. Alberts Ohren werden z.B. durch Buntstiftkringel geziert, seine Krallen sind ebenfalls einfache schwarze Striche, wie sie auch von einem Kind stammen könnten. Diese Kleinigkeiten machen Jenni Desmonds Stil so faszinierend. Es ist das Hand in Hand von Kunst und Spiel, für das sie bereits zahlreiche Preise erhalten hat. Gerade in diesem Jahr wurde sie mit dem “Sendak Fellowship” geehrt. Einem Stipendium für Illustratoren, das von Maurice Sendak (Autor von “Wo die wilden Kerle wohnen”) ins Leben gerufen wurde.

Bitte, liebe Jenni Desmond, mach noch viele Bücher!
Mehr zu Jenni und ihrer Kunst könnt ihr hier nachlesen:


Albert und der Baum Cover

“Albert und der Baum”

von Jenni Desmond
Magellan Verlag
ISBN 978-3-7348-2027-4
Erschienen im Juli 2016

 

 

 

Illustrationen aus „Albert und der Baum“ von Jenni Desmond ©2016 Magellan Verlag

 

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