„Das Leben und Ich“

Kinderbücher zu den Themen Tod und Abschiednehmen stehen nicht mehr versteckt in den hinteresten Ecke der Buchläden. Sie werden nicht mehr mit „Problembuch“ betitelt – nein, es gibt sie mittlerweile sogar in ansprechendem Design. Es gibt viele leise, traurige, aber auch amüsante Kinder- und Bilderbücher, die sich dieses schwierigen, aber doch so alltäglichen Themas annehmen. „Opas Insel“ ist so ein Buch. Oder auch „Die besten Beerdigungen der Welt“. Ein sehr zärtliches und poetisches Buch ist „Das Leben und Ich“, das den Tod als kleines Mädchen mit Blume im Haar vorstellt.

„Ich bin der Tod. So wie das Leben Leben ist, bin ich der Tod.“

Jedes Leben hat einen Beginn und jedes ein Ende. Niemand weiß, wie viel Zeit er oder sie auf dieser Erde hat. Der Tod gehört unweigerlich zum Leben dazu – was wäre das Leben auch ohne Tod? Ein Anfang ohne ein Ende? Der Tag ohne Nacht? „Das Leben und ich“ schafft es, diese Relation aufzuzeigen, ohne den Tod zu beschönigen. Natürlich sind Tod, Abschied und Trauer nicht verlockend. Aber sie gehören zum Leben dazu. Und das sollte man auch Kindern schon früh (auf eine kindgerechte Art und Weise) vermitteln.

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Die Illustrationen der Belgierin Marine Schneider sind berührende Kunstwerke. Mal bunt und naiv, mal düster und berührend. Sie schafft es, den Tod glaubhaft als mitfühlendes zartes Mädchen zu portraitieren, mit Blume im Haar und rosa Fahrrad. Der Tod stützt alte Menschen, die müde geworden sind. Die Wesen, die noch nicht laufen können, die drückt sie sich an die Brust und passt auf sie auf. Text und Bild stützen sich in „Das Leben und ich“. Da wo der geschriebene Text aufhört, greift die mitreißende Bildsprache Marine Schneiders. Nie nimmt das Bild den Text vorweg, sie verschränken und bestärken sich. Elisabeth Helland Larsens Worte sind nie zu viel. Ihre kurzen Sätze und die direkte Sprache gehen Hand in Hand mit den zarten Bildern Marine Schneiders.

„Das Leben und ich“ muss man mehrmals durchblättern, bei jedem neuen Aufklappen, kommen neue Gedanken. Gedanken über das eigene Leben, über Dinge, die mir wichtig sind und die mir das Leben schwer machen. Ich denke an Menschen, von denen ich bereits Abschied nehmen musste und Menschen, deren Ableben ich kaum ertragen könnte. Doch wie mit dem Tod umgehen? Wie sich vorbereiten auf etwas, das einem große Angst macht? Der Tod im Buch hat eine eindeutige Antwort:

„Liebe! Liebe kann Trauer und Hass vertreiben. Liebe kann dich an jedem einzelnen Tage besuchen. Liebe stirbt nie, selbst, wenn sie mich trifft.“

So lässt das Buch die kleinen Leser auch nicht traurig oder verzweifelt zurück, sondern schließt mit einem hoffnungvollen Bild. Der Tod ist jetzt schon ein Teil von dir. Mach dir keine Sorgen wegen ihr. Irgendwann wird sie an deine Tür klopfen, aber bis dahin liebe! Lache! Lebe! Eine Botschaft, die Klein und Groß sich zu Herzen nehmen sollten.

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„Das Leben und ich“
Elisabeth Helland Larsen und Marine Schneider
Kleine Gestalten Verlag
ISBN: 978-3-89955-770-1
Erschienen im Mai 2016
http://shop.gestalten.com/das-leben-und-ich.html

 

Alle Illustrationen entnommen aus “Das Leben und ich” von Elisabeth Helland Larsen und Marine Schneider ©2016 Kleine Gestalten Verlag

 

4 thoughts on “„Das Leben und Ich“

  1. Liebste Laura,

    das klingt wirklich großartig und toll aufbereitet für die Kleinen! Und ich bin ja auch immer so verliebt in den Gestalten Verlag..
    Nochmal ein Lob für die schöne Website und liebe Grüße an die Küste.

    Claudi

  2. Hallo Laura,
    das Buch habe ich mir gleich aufgeschrieben, es sieht wunderbar aus und dein Text hat mich auch neugierig gemacht. Zum Thema Abschied & Tod gehören „Opas Insel“ und „Die besten Beerdigungen der Welt auch zu meinen Favoriten. Toll finde ich auch „Ente, Tod und Tulpe“.
    Hach, gute Bilderbücher sind einfach fantastisch.
    Liebe Grüße, Malu

    1. Hallo Malu! Na das freut mich doch, dass ich dich inspirieren konnte! „Ente, Tod & Tulpe“ finde ich auch zauberhaft. Generell ist es positiv zu bewerten, wie viele ansprechende Bücher es zu diesem Thema mittlerweile gibt. Da muss man die Verlage mal loben 😉
      Liebste Grüße,
      Laura

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