Die mürbe machende Werbekennzeichnungspflicht

Ihr Lieben, was hat es mit der Werbekennzeichnung auf sich? Warum, warum, warum schmeißen denn momentan alle Blogs damit herum? Und wer hat sich das bloß wieder ausgedacht? Wie immer, kommt so ein “heißes Thema” erst dann bei mir an, wenn alle anderen sich schon längst seit Wochen darüber echauffieren. Aber hej, ich komme halt erst jetzt dazu, meine Gedanken diesbezüglich niederzuschreiben.

Warum alle möglichen Menschen ihre Social-Media-Beiträge nun mit Werbung kennzeichnen, ist mir schon bewusst. Ganz fernab der Realität lebe ich ja auch nicht. Wer das Drama allerdings (noch) nicht ganz mitbekommen und durchdrungen hat, dem lege ich Tilmanns Artikel “Werbekennzeichnung, Schleichwerbung, Influencer und die immer neue Angst” ans Herz. Nun möchte ich in Hinblick auf Lütte Lotte ein paar Worte diesbezüglich loswerden.

I ain’t got no money

Falls es wen interessiert: Ich habe mit Lütte Lotte noch nie Geld verdient. Will ich auch gar nicht. Oder eher: Ich lege es nicht darauf an. Ganz im Gegenteil: Eine Website zu betreiben kostet Geld. Serverkosten hier, SSL-Zertifikat da. Ich werde (leider) von niemandem für meine Artikel bezahlt. So sieht es aus.

Material girl

Allerdings habe ich mir nicht alle renzensierten Bücher selbergekauft. Manchmal schreibt mich eine nette ehemalige Kollegin aus einem Kinderbuchverlag an, stellt mir verschiedene Bücher vor und ich “bestelle” dann eins zur Ansicht. Oder die netten Menschen aus den PR-Agenturen kontaktieren mich und legen mir Neuerschienungen ans Herz. Heißt das, dass ich diese Bücher deshalb besonders in den Himmel lobe? Oh no. Für mich hat das ehrlich gesagt, nichts miteinader zu tun. Ich schiele eher nochmal auf den ersten Absatz und denke: Wenn ich schon nicht dafür bezahlt werde, dann kann ich doch wenigstens dieses Privileg genießen. Manchmal kommen Bücher auch bei mir an, landen dann aber doch nicht auf Lütte Lotte, weil sie mich nicht überzeugen konnten. Das ist ein Risiko, das Verlage eingehen und das schon immer zur PR-Arbeit rund ums Buch dazugehört hat. Für mich keine Neuerung und kein Grund, sich zu schämen.

Werbung Calculator Hand makes notes

The advertisement of love

Tendenziell schreibe ich sehr positive Beiträge. Ich empfehle Bücher, ich schreibe keine Verrisse. Damit werbe [sic!] ich natürlich im ideellen Sinn für diese Bücher. Ich wünsche diesen Bücher hohe Verkaufszahlen. Werde ich diese Beiträge ab sofort als Werbung kennzeichnen? Hell no! Bücher und Geschichten sind keine Duschgels. Als Kulturprodukt sind sie durch die Buchpreisbindung und den verringerten Mehrwertsteuersatz besonders geschützt – ihnen kommt vor dem Gesetz bereits ein anderer Stellenwert zu. Deshalb sollten (in meinen Augen) Blogs, die sich mit Kulturgütern beschäftigen, eh ganz anders kategorisiert werden. Solange ich also nicht explizit engagiert und dafür bezahlt werde, dass ich ein Produkt teste, vorstelle und positiv bewerbe, solange schreibe ich meine Beiträge ohne Werbekennzeichnung.  Denn ich stehe mit Herzblut hinter allen Empfehlungen, die ich hier ausspreche. Keins der Bücher sticht hervor, ich “bewerbe” alle gleich liebevoll.

Exkurs in die Kinderbuchverlage

Und ganz nebenbei: Mit Büchern, speziell mit Kinderbüchern, wird eh niemand reich. Solange nicht mindestens 100.000 Stück verkauft werden, kann nicht mal ansatzweise von Reichtum gesprochen werden. Viele Bilderbücher werden in der Erstauflage ca. 2000-5000 produziert. Wenn diese erste Auflage abverkauft ist, hat der Verlag in der Regel seine Kosten (Honorare, Druck- und Distributionskosten, laufende Kosten) wieder drin und macht minimal Gewinn. Und ganz unter uns: Die meisten Bilderbücher erscheinen nur in der 1. oder 2. Auflage. Kaum ein Bilderbuch wird zum Verkaufshit und Longseller (Bücher, die sich länger als eine Saison verkaufen). Warum sollte ich also keine Bilderbücher in den Himmel loben? Wenn die Künstler schon Monate oder Jahre an ihren Texten und Bildern gesessen haben, möchte ich doch wenigstens, dass sie ihre Miete bezahlen können. Schade ich damit dem Verbraucher/dem Leser? Führe ich ihn hinter’s Licht, wenn meine Beiträge nicht als Werbung gekennzeichnet sind? Nein, das sehe ich keinesfalls so.

Link it, Baby. Link it good.

Damit meine Leser die vorgestellten Bücher auch wiederfinden, verlinke ich i.d.R. zum dazugehörigen Buchverlag oder zu einer unabhängigen Buchhandlung. Diese Links dienen nur dem geneigten Leser, der sich das Buch eventuell anschließend ebenfalls besorgen möchte. Diese Weiterleitungen sind keine Affiliate-Links, ich verdiene also mit euren Klicks oder Käufen nichts. Ich bekomme, by the way, auch keine Pauschale von Verlagen/Buchhandlungen weil ich auf sie verlinke. Vermutlich wissen die Beteiligten nciht einmal, das ich auf sie verlinke. Für mich auch kein Grund, meine Artikel als Werbung zu sehen oder zu kennzeichnen.

Ich vertraue auf euren Verstand, geneigte Mitleser. Ich vertraue darauf, dass ihr Lütte Lotte dann aufsucht, wenn ihr etwas Schönes sucht. Wenn ihr etwas Nettes lesen möchtet, etwas, das ich handverlesen für euch ausgesucht habe. Ich mache keine Werbung für Produkte. Ich bin Perlensucherin im großen Ozean der Bilderbuchkunst. Denn Literatur und Bilderbuchillustration ist für mich Kunst und Kunst braucht, ja verdient, eine Bühne. Deshalb werde ich auch in Zukunft meine Beiträge nicht als Werbung kennzeichnen und jetzt wisst ihr auch warum.

 

Gastbeitrag: Italienische Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland III

Finale! Dies ist der dritte und letzte Teil der Serie. Den Anfang machten “Die Klassiker” und “Die Vergessenen”. Im letzten Blogbeitrag wurden dann die Kategorien “Die Aktuellen”, “Die Bilderbücher” und “Die ganz jungen Autorinnen”behandelt. In diesem Blogbeitrag werfen wir schlussendlich einen Blick auf “Die erwachsenen Autor_innen”, “Die Fantasy-Autor_innen” und “Die Stillen”. Wir wünschen euch viel Spaß bei der Lektüre!

Die „erwachsenen“ Autor_innen

Eine Besonderheit in der italienischen Literaturlandschaft ist, dass Autoren, die normalerweise für ihre belletristischen Erwachsenentitel bekannt und hochgelobt sind, immer auch Bücher für Kinder und Jugendliche schreiben. Das haben bereits Dino Buzzati (1906-1972) mit „Wie die Bären einst Sizilien eroberten“ (Hanser, 2005, Ü: Heide Ringe) und Italo Calvino (1923-1985) getan. Momentan ist Calvinos Geschichte „Das schwarze Schaf“ (Ü: Burkhart Kroeber) in einer eindrucksvollen Collage-Version von Lena Schall bei mixtvision zu haben.

Zu Calvino, einer der größten italienischen Nachkriegsautoren, und Buzzati, einem Vertreter des Surrealismus, kann ich hier nicht mehr sagen, einfach weil es den Rahmen sprengen und zu sehr von den KJB ablenken würde. Aber auch Krimi-Autoren wie Carlo Lucarelli haben Exkurse zu den KJB gemacht. So konnten Jugendliche im Jahr 2000 die Romane „Das Mädchen Nikita“ und „Schüsse aus dem Walkman“ (später noch mal aufgelegt als „Mafia alla Chinese“) lesen. Diese zwei Romane spielen nun allerdings sehr in der italienischen Gegenwart – sodass sie eigentlich meiner Vermutung von oben widersprechen. [Bezieht sich auf die Vermutung aus dem ersten Blogpost, dass nur wenige italienische Kinder- und Jugendbücher ins Deutsche übersetzt werden, in denen allzu sehr die italienische Lebenswelt und Heimatliebe im Vordergrund stehen.] Doch in beiden Fällen handelt es sich um Krimis. Und Krimis wie Liebesgeschichten scheinen hin und wieder auch global zu funktionieren.

Die Fantasy-Autor_innen

Im Bereich Fantasy sind vor allem zwei Italienerinnen zu nennen: Silvana De Mari und Licia Troisi. De Mari ist seit 2010 mit „Der letzte Elf“ (Ü: Barbara Kleiner) bekannt, einer entzückenden Geschichte um einen kleinen, verlassenen Elf, der eine Prophezeiung erfüllen und den Menschen die Freude und Fantasy wieder bringen muss. Es gibt zwar in dieser Reihe noch drei Nachfolgebände, doch die bewegten sich so in Richtung High-Fantasy für Erwachsene, dass sie an den Erfolg vom letzten Elfen, der mittlerweile sieben Auflagen erlebt hat, nicht heranreichten. Licia Troisi hingegen ist hauptsächlich als Autorin von High-Fantasy für Erwachsene bekannt, hat jedoch auch eine Reihe für Jugendliche geschrieben: „Drachenschwester“ (Ü: Bruno Genzler). Von dieser ursprünglich fünfteiligen Reihe sind in Deutschland jedoch nur zwei Bänder erschienen.

2012 ist dann die „Nina“-Fantastik-Reihe von Moony Witcher erschienen (Ü: Julia Süßbrich/Gehring). Hinter dem Pseudonym verbirgt sich die Journalistin Roberta Rizzo, die die Reihe in Italien zwischen 2002 und 2017 herausgebracht hat. 2005 habe ich den ersten Teil begutachtet und – wie ich eben wieder nachgelesen habe – abgelehnt, weil er mir zu platt, zu esoterisch und ohne Zwischentöne geschrieben war. Mit einer altklugen Protagonistin, die immer gewinnt. Thienemann hat es fast zehn Jahre später wohl doch gefallen. Von den sieben italienischen Bänden sind vier auf Deutsch erschienen, zwei davon bereits vergriffen. Die weiteren Serien, die Witcher veröffentlicht hat, sind bei uns nicht übersetzt.

Dass angefangene Reihen von den Verlagen nicht zu Ende geführt werden, ist mir mehrmals passiert: Im KJB-Bereich mit Pierdomenico Baccalarios Reihe „Will Moogleys Geisteragentur“ (2009), von der ich zwei Teile übersetzt habe, aber nur einer davon je veröffentlicht wurde. Das habe ich nie richtig verstanden, denn es war eine sehr witzige Reihe für Jungs über eine Agentur für Geister und Spukgestalten in New York (auch hier wieder ein Cover von Iacopo Bruno, was den comicartigen Witz der Geschichte nur so gar nicht traf). Zudem gab es mal den Auftakt einer Trilogie von Miriam Dubini, „Aria. Das Schicksal fährt Fahrrad“ (2014), eine niedliche fantastische Engelgeschichte, die in Rom spielte – aber leider kein Publikum fand. Auch hier habe ich leider den zweiten Teil für die Schublade übersetzt. Aber auch das gehört zum Übersetzerdasein dazu.

Die Stillen

Dann gibt es noch Autor_innen, die ins Deutsche übersetzt werden, die jedoch kaum Beachtung finden. So beispielsweise Fabrizio Silei mit „Abseits. 1938. Ein Fußballer sagt Nein“ (Ü Edmund Jacoby, 2014) oder „Nonno und der rosa Hund“ (Ü: Kathrin Wolf, 2016). Lediglich sein Buch „Der Bus von Rosa Parks“ (Ü: Sarah Pasquay, 2011) wurde ein paar Mal besprochen und stand auf der Nominierungsliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012, Sparte Sachbuch. „Mein filmreifer Sommer“ (Ü: Karin Rother) von Simona Toma von 2014 ist auch bereits vergriffen – und hat nicht einmal eine Bewertung auf Amazon.

Ohne Amazon-Rezension muss auch Paola Zannoners „Ausgewechselt“ (Ü: Ingrid Ickler, 2012) auskommen. Dieses Buch kenne ich nicht, doch ich habe andere von Zannoner angelesen und begutachtet. Sie kamen nicht für eine Übersetzung infrage, da sie mir vom Erzählton her nicht gefielen (laut meinem Gutachten, also meinem Leseeindruck von damals, hat sie einen moralischen Ton und erzählt eher distanziert von oben herab). Momentan lese ich den Roman „Im Ghetto gibt es keine Schmetterlinge“ von Matteo Corradini (Ü: Ingrid Ickler, 2017) über die Kinder im Ghetto von Theresienstadt. Das ist nun nicht gerade ein Thema, das Jugendliche aus eigenem Antrieb angehen. Dennoch ist es wichtig, dass auch solche Bücher übersetzt werden, selbst wenn sie wenige Leser finden.

Das alles mag jetzt vielleicht nach sehr viel aussehen – ist es aber nicht, wenn man bedenkt, dass ich hier im Schnelldurchlauf mehr als 100 Jahre Literaturgeschichte abgehandelt habe.

Sicherlich sind mir auch noch diverse Übersetzungen entgangen. Auf jeden Fall sind es natürlich längst nicht alle Publikationen oder Autor_innen, die in Italien selbst erschienen sind. Das wäre ja auch absurd zu glauben, alle Bücher würden übersetzt werden. Zwar wundere ich mich manchmal, dass langjährige Erfolgsautoren wie Roberto Piumini oder Bianca Pitzorno oder Premio-Andersen-Preisträger_innen nicht öfter ins Deutsche übersetzt werden, aber oft passen eben Inhalt, Erzählweise, pädagogischer Anspruch, italienische Lebens- und Erziehungswelten oder andere Fantasie-Konzepte nicht zu deutschen Leser_innen.

2023 wird Italien Gastland auf der Frankfurter Buchmesse sein. Bis dahin werden sicherlich noch so einige italienische Bilder-, Kinder- und Jugendbücher übersetzt werden. Ich werde in der kommenden Zeit intensiver die Augen offenhalten, was es im Land noch an Geschichten und neuen Talenten zu entdecken gibt. Und dann liefere ich in ein paar Jahren vielleicht ein Update zu Italiens KJB-Szene. Wenn Ihr Euch noch an weiter Bilder-, Kinder- und Jugendbücher erinnert, die ich hier nicht aufgeführt habe, schreibt mir doch bitte. Ich sammle sie dann. Mich erreicht Ihr unter ulrike.schimming@letterata.de.

 

Wer hat schon Angst vorm roten Wolf?

Hach Italien. Hier ticken die Uhren einfach anders. Ist das ein Klischee? Auf jeden Fall. Ist es trotzdem wahr? Irgendwie schon. Im Vergleich zu Deutschland wirken “die Italiener_innen” viel entspannter, besser gelaunt und generell lebenslustiger. Alle? Natürlich nicht. Aber die Unterschiede in der Mentalität sind spürbar. Besonders wenn man mit einem Baby unterwegs ist. Für Deutsche scheinen Kinder oft eine Zumutung zu sein: Zu laut, zu dreckig, zu unkontrollierbar. In Italien dagegen sind wir der Hit! Egal, wo wir hinkommen. Von der Jugendlichen bis hin zum Supermarkt-Verkäufer: Alle lächeln unseren Sohn an, freuen sich, schenken uns Obst, Käse, Wurst und meistens einen Schwall entzückter Laute. Ciao bellissimo! Ciao piccolo! Italiener_innen lieben Kinder – was für eine Wohltat für müde Eltern. Dabei fühlen wir uns in unserer Heimat Hamburg nicht unwohl. Es gibt halt solche und solche Menschen – manche mögen Babys, mit allem was dazu gehört, andere mögen Babys auch, aber eher aus der Ferne. Das ist ok, damit muss man leben. Jeder ist halt anders.

Dass es gut ist, dass jeder anders ist, bebildert das Bilderbuch “Vorsicht, roter Wolf!” von Marco Viale (und genial übersetzt von Ulrike Schimming, die bereits zwei Artikel auf Lütte Lotte zu italienischer Kinder- und Jugendliteratur veröffentlicht hat) sehr kindgerecht. Die blauen Wölfe leben in einer Stadt voller Struktur. Einer Stadt ohne Überraschungen. Dort leben nur blaue Wölfe, die immer aus blauen Tassen trinken, immer zur gleichen Uhrzeit geweckt werden, ja hier verläuft immer alles gleich. Tagein, tagaus. Alles hat seine Ordnung. Bis der rote Wolf in die Stadt geradelt kommt. Auf einmal ist alles anders, denn er kommt nicht nur daher geradelt – er pfeift auch noch vergnügt. Und das in einer Stadt der verbissenen Stille. Damit bringt er alles durcheinander. Die blauen Wölfe schicken Helikopter, das Fernsehen berichtet über diesen Vorfall, sogar die Geschäfte bleiben geschlossen. Es ist einfach unerhört. Nicht nur seine Farbe ist anders, er benimmt sich auch noch so befremdlich. Und anders kann erst einmal nur schlecht bedeuten. Doch nach und nach geht ein Ruck durch die blaue Stadt. Blaue Wölfe fangen an, andersfarbige Kleidung zu tragen, fröhliches Pfeifen gehört auf einmal zur blauen Stadt dazu. Immer mehr Wölfe trauen sich, Neues auszuprobieren und aus ihrem Alltagstrott auszubrechen. Und der rote Wolf ist auf einmal gar nicht mehr so angsteinflößend…

Ihr wisst, dass ich maßlos übertreibe, aber seht ihr die Parallele? Die Geschichte könnte auch von einem Italiener in Buxtehude handeln… Spaß beiseite. “Vorsicht, roter Wolf!” ist ein großartiges Bilderbuch, denn es vermittelt sowohl durch seinen Text als auch durch seine plakative Gestaltung vor allem eins: Dass Andersartigkeit ein Geschenk für jede Gesellschaft ist. Jede Gruppe Menschen – oder Wölfe – profitiert von den Eigenarten, die ein neues Mitglied einbringt. Denn Zufriedenheit entsteht nicht durch Gleichschritt.

“Genau genommen war der rote Wolf nicht viel anders als ein blauer Wolf, abgesehen von der unübersehbaren Kleinigkeit, dass er rot war.”

Marco Viale hat das Buch nicht nur geschrieben, sondern auch illustriert. Normalerweise bin ich kein Fan von dieser Kombi, doch im Falle von “Vorsicht, roter Wolf!” hat es ausnahmsweise sehr gut funktioniert. Viale stammt aus Ligurien und gilt als einer der talentiertesten Bilderbuchkünstler Italiens. Einen Eindruck seiner Kunst könnt ihr euch durch sein Online-Portfolio verschaffen.

Was meint ihr? Wäre dieses Buch nicht dafür prädestiniert, an jedes Mitglied der blauen Partei ausgeteilt zu werden? Oder einfach an alle Menschen dieses Landes? Der ganzen Welt? Wir sollten uns immer wieder vor Augen halten, was für ein Geschenk es ist, dass wir nicht in einer gleichgeschalteten Gesellschaft leben müssen. Ich wünsche mir, dass es so bleibt und vor allem wünsche ich mir, dass die blauen Menschen die Angst vor dem roten Wolf schnellstmöglich ablegen. Menschen? Wölfe? Wo ist eigentlich der Unterschied…?

 


 

“Vorsicht, roter Wolf!”

von Marco Viale
übersetzt von Ulrike Schimming
ISBN 978 3737354387
Fischer Sauerländer

 

 

Copyright Aller verwendeten Illustrationen ist © Marco Viale/S.Fischer Verlage 2018

 

Gastbeitrag: Italienische Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland II

Und weiter geht’s! Im letzten Blogbeitrag zur italienischen Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland wurde das Pferd von hinten aufgezäumt, nun wird es aktueller. Dieser zweite Teil behandelt die Kategorien “Die Aktuellen”, “Die Bilderbücher” und “Die ganz jungen Autorinnen”. Der dritte Blogbeitrag der Serie beleuchtet dann schlussendlich “Die erwachsenen Autor_innen”, “Die Fantasy-Autor_innen” und “Die Stillen”. Wir wünschen euch viel Spaß bei der Lektüre!

Die Aktuellen

Die Kinder heute kennen vielleicht „Gironimo Stilton“ – ohne diese bunten Mäuse-Geschichten als ursprünglich italienisch zu identifizieren (Ü: Gesine Rickers/Carsten Jung). Vielleicht kennen sie die Reihen „Ulysses Moore“, „Century“ oder „Der Zauberladen von Applecross“ – auch hier ist nicht auf den ersten Blick zu erkennen, dass dahinter der Autor Pierdomenico Baccalario steht (Ü: Cornelia Panzacchi, Barbara Neeb, Katharina Schmidt). Baccalario, der in London lebt, ist einer der umtriebigsten Autoren Italiens, hat unzählige Serien geschrieben (vermutlich mit Hilfe von unzähligen Ghost-Writern) und ist in Deutschland bei verschiedenen Verlagen erschienen (Coppenrath, cbj, Fischer). Das war nicht unbedingt hilfreich, denn so hat er hier verlagstechnisch kein wirkliches Zuhause. Jugendliche haben jüngst vielleicht „Staubgeboren. Stadt der Vergänglichen“ (Ü: Christiane Burkhardt) von Fabio Geda gelesen, doch spielt dieser Auftakt einer Reihe in Berlin und verweist nicht auf Italien. Ob die Nachfolgebände auch übersetzt werden, ist mir momentan nicht bekannt. Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass die Verlage Reihen eingehen lassen, wenn sich kein Erfolg einstellt (dazu später unten mehr). “Gastbeitrag: Italienische Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland II” weiterlesen

Gastbeitrag: Italienische Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland I

Laura weilt mit ihrer Familie ja gerade in Italien und hatte im Vorfeld nach Tipps für italienische Kinder- und Jugendbücher gefragt. Da ich seit zwanzig Jahren vor allem KJBs aus dem Italienischen übersetze, habe ich mich mal gemeldet – und so entstand die Idee zu einem Gastbeitrag hier auf Lütte Lotte. Dies ist der erste von drei Beiträgen zur italienischen Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland. Den Anfang machen “Die Klassiker” und “Die Vergessenen”. “Gastbeitrag: Italienische Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland I” weiterlesen

Italienischer Kinderbuch-Klassiker: Pinocchio

Cioa, cioa & buon giorno aus Lucca! Es ist tatsächlich passiert: Wir sind in Italien. So richtig. Mit bis zum Dach bepacktem Auto und 8 Wochen Zeit im Gepäck. Ich freu mich wahnsinnig auf die Zeit zu dritt. Auf den Strand, das Essen und und und…und endlich mal wieder Zeit zum Schreiben zu haben! Herrlich!

Habt ihr auch als Kinder Pinocchio von Disney animiert gesehen? Meine Erinnerung ist nicht mehr ganz frisch, deshalb habe ich mich die letzten Tage erneut mit diesem Klassiker der italienischen Kinderliteratur auseinandergesetzt. Geschrieben wurde das Buch von Carlo Collodi 1883. Doch bereits 1881 wurde “Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino” (Abenteuer des Pinocchio: Geschichte eines Hampelmanns) stückchenweise als Fortsetzungsgeschichte in einer italienischen Zeitung veröffentlicht. Heutzutage würde Pinocchio vermutlich als Netflix-Serie starten, um dann als Hollywood-Blockbuster neu verfilmt zu werden. Oder ist das zu weit hergeholt? “Italienischer Kinderbuch-Klassiker: Pinocchio” weiterlesen

Bella Italia! Toskana wir kommen!

Ihr Lieben,

auf Instagram und Facebook habe ich es bereits verraten: Die nächsten zwei Monate verbringe ich mit meiner Familie in Italien. Ich freue mich wie Bolle auf die Toskana, auf Strand, Pizza, Eis, Antipasti und Zeit zu dritt. Aber ich freue mich auch darauf, mal wieder Zeit zum Schreiben zu haben. Deshalb habe ich mir überlegt, die nächsten Artikel hier auf dem Blog der italienischen Kinderliteratur zu widmen.

MONTEPULCIANO von LigaDue [CC BY-SA 4.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], vom Wikimedia Commons

Unsere Route

Unsere Reise führt uns in die Toskana, mit einem Abstecher nach Sardinien. Über Stuttgart und Como fahren wir zuerst nach Lucca. Eine Woche werden wir in der altertümlichen Stadt verbringen, durch die historischen Gasen schlendern und den Torre Guinigi besteigen. Anschließend geht es hoch in die Cinque Terre. Die malerischen Küstenstädte gehören zwar nicht mehr offiziell zur Toskana, aber diese Kleinigkeit mögt ihr mir verzeihen. Nach einer Woche am Strand kehren wir ins Herz der Toskana zurück: Nach Montepulciano (siehe Bild). Allein dieser kurze Wikipedia-Absatz zur Stadt lässt mein Reiseherz höher schlagen:

“Montepulciano ist eine mittelalterliche Hügelstadt in der italienischen Toskana. Die Stadt ist von Weinbergen umgeben und für den Rotwein Vino Nobile bekannt. Der Torre di Pulcinella ist ein Uhrturm mit der Pulcinella, einer Figur aus der Commedia dell’Arte. An der Piazza Grande stehen der Palazzo Comunale aus dem 14. Jahrhundert mit einem Turm, der Ausblicke über die umliegende Landschaft bietet, sowie der Duomo mit einem riesigen Triptychon über dem Altar.”

Über Porto Santo Stefano geht unsere Reise weiter nach Sardinien. Genauer gesagt nach Monte Nai an der Costa Rei. Bildchen gefällig?

COSTA REI von Alex10 [GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html) oder CC BY-SA 3.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], vom Wikimedia Commons
Sardinien ist der letzte geplante Halt unseres Trips. Den Rückweg wollen wir im Laufe der nächsten Wochen planen – je nachdem, wonach uns ist. Vielleicht bleiben wir aber auch einfach noch etwas länger auf der Insel. Denn bisher habe ich noch keine schöneren Strände gesehen…

Italien-Special

Vor zwei Jahren habe ich ein kleines Special zu Schweden gemacht und so ähnlich stelle ich mir die kommenden Artikel auch vor. Doch im Gegensatz zu meinem Lieblingsland Schweden, kenne ich Italien und seine Literaturszene fast gar nicht (die Klassiker der Literaturwissenschaft und einige Krimis mal ausgenommen). Dank eurer Hilfe, habe ich in den letzten Tagen einige Denkanstöße bekommen. Aber vielleicht habt ihr noch weitere Ideen, Wünsche, Vorschläge? Welche Bilder- und Kinderbücher aus dem italienischen kennt und mögt ihr? Welche Illustrator_innen sollte ich kennen? Worüber sollte ich Artikel schreiben? Hinterlasst mir doch einen Kommentar – ich würde mich freuen!

Oh wie ich mich auf die Zeit freue! Begleitet ihr mich ein wenig auf unserer Reise durch Italien? Ich würde mich freuen!

Herzliche Grüße
Eure Laura

 

Moin, moin! Hamburg-Bücher für Kinder

Hummel, hummel! Mors, mors! Ob nun gebürtiger Hamburger oder Quiddje – in Hamburg ist für jeden ‘was dabei. Kein Wunder, dass es Bücher über unsere schöne Hansestadt wie Sand am Elbstrand gibt. Auch für Kinder ist die Auswahl riesig. Welches sollte man sich anschaffen? Ein paar meiner liebsten Bücher für Kinder ab 1 Jahr möchte ich euch heute vorstellen. Und gewinnen könnt ihr auch etwas… “Moin, moin! Hamburg-Bücher für Kinder” weiterlesen

Grafisch, hip, naturverbunden: “Die goldene Funkelblume”

Hände hoch, wer auf grafische reduzierte Ilustrationen mit einem Hang zu Retro steht! Hier! Ich! Benjamin Flouw macht es uns leicht sein Bilderbuch “Die goldene Funkelblume” zu lieben, denn Design und Message entsprechen dem Zeitgeist: Irgendwie hip und naturverbunden. “Grafisch, hip, naturverbunden: “Die goldene Funkelblume”” weiterlesen

Berühmte Kinderbuchautorinnen und ihre Bücher

Im Urlaub muss man Bücher lesen – so will es das Gesetz. Nun, zumindest verbringe ich so meine freie Zeit am liebsten. Auf der Couch lümmeln, vor unserem Camping-Caddy in Schweden oder, wie gerade geschehen, im Ferienhaus vor dem Kamin. Leider fehlt mir momentan die Ruhe und Konzentration mich intensiv auf einen Roman einzulassen. Die meiste Zeit des Tages habe ich nun einmal ein Baby auf dem Arm. Deshalb musste für den Urlaub ein Buch her, in dem ich immer mal wieder schmökern kann. Umso mehr habe ich mich gefreut, als mir in der kleinen Buchhandlung an der Ostsee “Berühmte Kinderbuchautorinnen und ihre Heldinnen und Helden” von Luise-Berg Ehlers in die Hände fiel. “Berühmte Kinderbuchautorinnen und ihre Bücher” weiterlesen