„Durch den Wald“

Ach herrje. Kaum dreht man sich einmal um, ist es bereits Mitte Oktober. Dabei habe ich dieses großartige Buch seit Wochen bei mir liegen: „Durch den Wald“ von Nele Palmtag. Es ist bereits mit mir nach Stuttgart gereist (immerhin aus Hamburg und das ist fast so weit wie die Strecke, die die Protagonisten im Buch zurücklegen müssen…), wurde Freunden empfohlen und von Nicht-Kinderbuchmenschen (soll es ja geben) gelobt. Ein Blogpost entsteht erst heute dazu, aber gut Ding will Weile haben und alles zu seiner Zeit und nun ja, jetzt aber!

Pudel, Kater, Piep – wohnen bei Frau Lieb!

Frau Lieb wohnt mit ihren Haustieren Pudel, Kater und Piep am Stadtrand. Alle vier genießen ein vorzüglich entspanntes Leben in ihrem wohligen Zuhause. Nun findet Frau Lieb eines Tages ihre silberne Kette nicht, stürzt und bricht sich die Beine. Das hat schwerwiegende Konsequenzen, denn Kater, Pudel und Piep dürfen natürlich nicht mit ins Krankenhaus. Während Frau Lieb also zur Genesung weggekarrt wird, breitet sich langsam Panik unter den drei Couchpotatoes aus – was wird denn jetzt aus uns? Als die Halskette wieder auftaucht, schmieden die drei einen Plan: Wir gehen zu Frau Lieb ins Krankenhaus und bringen ihr die Perlen. Sie freut sich und wir sind nicht mehr allein. Gesagt, getan. Und so beginnt ein riesiges Abenteuer für Pudel, Kater und Piep. Denn erst einmal müssen sie durch den dunklen Wald…

Reim dich oder ich fress dich!

Ich liebe, liebe, liebe gut gereimte Kinderbücher. „Durch den Wald“ ist ein Meisterwerk der subtilen Reimkunst. Für Kinder gut zu verstehen, mit vielen versteckten Pointen für den erwachsenen Vorleser. Das gemütliche Vorstadtleben des Liebschen Haushalts wird bereits auf der ersten Doppelseite perfekt auf den Punkt gebracht:

„Weil Frau Lieb sich viele Sorgen macht, wird die Zeit vor allem im Haus verbracht. Und wenn dann doch mal einer muss? Niemals allein raus! – Immer: „Bei Fuß!“ Mit Fleiß wird hier das Haus gepflegt, die Tiere werden verwöhnt und gehegt.“

Die Kombination aus starken Reimen und farbenfrohen Buntstiftzeichnungen macht einfach Spaß. Es gibt so viel zu entdecken! Schon die Verse der ersten Seite illustrieren die Szenerie perfekt. Doch in Kombination mit den Bildern kommt man aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus: Der dicke Kater auf dem Sofa, vor ihm eine Etagere mit Pralinen. Frau Lieb und der Pudel föhnen sich zeitgleich ihre Haarpracht. An den Wänden Bilder aus längst vergangenen Zeiten: Frau Lieb singend auf der Bühne. Neben dem Schallplattenspieler die LP der Oper „Carmen“. Und hinter dem gemusterten Küchenvorhang wartet bereits der Melitta-Filter auf der Kaffeekanne auf seinen Einsatz. Wie bei Oma eben!

„Im Wald wird’s nun dunkel, schwarz senkt sich die Nacht…“

Oh weh, die Reise der drei Haustiere ist ein richtiges Abenteuer. Drei, vier Doppelseiten sind wirklich düster und ich befürchte, nichts für schwache Kindernerven. Natürlich geht alles gut aus – die Tiere im Wald sind natürlich total nett. Man kannte sich vorher halt nicht und was man nicht kennt, das macht einem erst einmal Angst. Trotzdem: Obacht, sollten eure Kinder eher ängstlich sein! Die Zeichnungen sind duster, dunkelblau bis dunkelgrün und hinter jeder dunklen Ecke versteckt sich etwas im Wald.

Autorin und Illustratorin Nele Palmtag kannte ich bisher zwar flüchtig (nicht persönlich – ich meine ihr Werk), aber so richtig mochte mir vor der Lektüre von „Durch den Wald“ nicht einfallen, was sie bisher bereits herausgebracht hatte. Dabei sind ihre Bücher z.B. bereits bei Carlsen, Ueberreuter und Atlantis erschienen. Alles wunderschön illustrierte Titel, schaut sie euch hier einmal an. Meine steile These: Mit „Durch den Wald“ wird sie bestimmt den ein oder anderen Preis erhalten und bald ein Star der Bilderbuchszene sein – ich würde es ihr wünschen!

Und die Moral von der Geschicht‘?

Tja, alles will ich euch natürlich nicht verraten. Aber vermutlich könnt ihr es euch schon denken: Nur wer auch ab und an mal ein Risiko eingeht oder etwas wagt, wird auch überrascht. Und in diesem Fall positiv. Das Leben kann Angst machen – da draußen ist so viel, das man nicht kennt. Aber das macht das Leben halt aus. Und nur wer ab und an neue Wege geht, kann auch neue Freunde finden. Selbst die sonst so vorsichtige Frau Lieb kennt sich mit dem aufregenden Leben aus. Ihr müsst nur mal drauf achten, was sich in ihrem Anhänger an ihrer Kette verbirgt… Ich glaube, Frau Lieb hatte ein wahnsinnig aufregendes Leben!


„Durch den Wald“

von Nele Palmtag
ISBN: 978-3-942795-56-2
Kunstanstifter Verlag
Erschienen im August 2017

Veranstaltungstipp: Cornelia Funke in Hamburg

Momentan spielt sich mein Leben hauptsächlich zu Hause ab: Im Bett, auf der Couch oder in der Küche. Mit einem Bauchumfang von knapp 1 m wird einfach alles beschwerlich. Jeder Gang wird zum Marathon, aber hey, bald ist es geschafft. In knapp 4 Wochen kann ich hoffentlich ein gesundes Menschenkind in den Armen halten und dafür lohnen sich die quälenden letzten Schwangerschaftswochen doch. Nächste Woche werde ich, sollte es mir gut gehen (bitte mal Daumen drücken!), aber trotzdem nochmal das Nest verlassen, denn eine Kinderbuch-Bestsellerautorin ist in Hamburg zu Gast: Cornelia Funke präsentiert „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“!

Cornelia Funke muss ich nicht vorstellen, oder? Nur ein paar Fakten: Sie ist die international erfolgreichste deutsche Kinder- und Jugendbuchautorin, ihre Bücher wurden in über 40 Sprachen übersetzt und – Trommelwirbel! – über 26 Millionen Mal verkauft. Vermutlich kennt ihr Cornelia Funkes „Tintenwelt“-Trilogie oder „Herr der Diebe“. Vielleicht habt ihr euch aber auch „Fabers Schatz“ gekauft, nachdem ihr im letzten Sommer meine Rezension gelesen habt…? 1997 erschien „Drachenreiter“ und wurde ebenfalls zu einem internationalen Knüller. Wochenlang stand der Titel auf der New York Times Bestsellerliste. Erst 2016 brachte Cornelia Funke „Die Feder eines Greifs“ heraus, die Fortsetzung ihres Bestsellers. Diesen Herbst dürfen wir uns nun alle freuen, denn es wird schon wieder ein Abenteuer aus der „Drachenreiter“-Welt geben.

Uta Dänekamp und Björn Meyer bei den Hörspielaufnahmen zu „Die Vulkan-Mission“ © German Wahnsinn

Nach nur einem Jahr bringt Cornelia Funke am 20. Oktober 2017 die Drachenreiter-Spin-Off-Geschichte „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“ heraus. Die Abenteuergeschichte ist bereits für Kinder ab 6 Jahren geeignet und eine in sich geschlossene Story. Man muss die beiden vorangegangenen Bücher also nicht gelesen haben, um bei der „Vulkan-Mission“ richtig mitfiebern zu können. Besonders faszinierend ist an diesem Projekt aber die Hörbuchsprecher-VIP-Dichte. Anders kann man es gar nicht sagen, denn neben Rainer Strecker vertonen z.B. auch die Schauspieler Hans Peter Hallwachs, Kathrin Angerer und Bjarne Mädel das neue „Drachenreiter“-Abenteuer. Außerdem hat erstmals Sänger Henning May (AnnenMayKantereit) eine Hörspiel-Rolle übernommen. Ich bin schon sehr, sehr auf dieses Hörspiel gespannt!

„Ich liebe es, gemeinsam mit anderen zu lesen, deshalb trete ich ja auch meist mit dem Schauspieler Rainer Strecker zusammen auf. Aber das dann im Team zu machen … und dann auch noch mit so guten Sprechern! Da passiert soviel Unerwartetes, man bekommt so viele wunderbare Vorgaben von den anderen – kurz, es ist ein Gefühl, als spielte man in einer sehr guten Fußballmannschaft, mit all dem Spaß, den das bedeutet.“    – Cornelia Funke

Worum es in „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“ geht? In Mimameidr verschwinden mehr und mehr Fabelwesen spurlos, und Koboldmädchen Schwefelfell fürchtet, dass auch Drache Lung unter ihnen ist. Das können Ben und seine Freunde unmöglich zulassen! Also begeben sich der Homunkulus Fliegenbein, die fliegende Ratte Lola Grauschwanz und Schwefelfell auf „Vulkan-Mission“ und damit ihr eigenes großes Abenteuer, um die Fabelwesen zu retten. Die Mission führt die drei nach Island und beschert Fliegenbein eine unerwartete Begegnung …

Bis zum 20. Oktober muss ich mich zum Glück nicht mehr gedulden, denn nächste Woche Donnerstag, den 21. September 2017 präsentiert Cornelia Funke in Hamburg gemeinsam mit Schauspielern und Musikern Ausschnitte aus ihrem neuen Hörspiel „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“. Moderiert wird das ganze von DIE ZEIT-Redakteurin Katrin Hörnlein, der Verantwortlichen für das Ressort „Junge Leser“. Los geht’s um 17 Uhr im Hörsaal Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg. Hier sind nochmal alle Veranstaltungsinfos für euch zusammengefasst:

Cornelia Funke: „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“
Donnerstag, 21. September 2017, 17.00 Uhr
Hörsaal Erziehungswissenschaften der Universität Hamburg
Von-Melle-Park 8, Hamburg

Karten kosten 5,- Euro für Kinder und 9,- Euro für Erwachsene (zzgl. Gebühren). Sie sind erhältlich unter: www.adticket.de und bei allen Reservix-Vorverkaufsstellen.


Gewinnspiel

Als besonderes Schmankerl darf ich an dieser Stelle zwei Eintrittskarten (1 Gewinner + 1) zur Hörspiel-Premiere von „Drachenreiter – Die Vulkan-Mission“ am 21. September 2017 um 17 Uhr in Hamburg verlosen. Die beiden Karten werden von Atmende Bücher zur Verfügung gestellt – vielen Dank!

In den Lostopf wandert ihr automatisch, wenn ihr bis zum 17. September 2017 um 23.59 Uhr einen Kommentar unter diesem Beitrag hinterlasst. Am 18. September 2017 wird der Gewinner oder die Gewinnerin ausgelost & per E-Mail und Blog-Kommentar benachrichtigt. Viel Glück!

Laura

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Hallo zurück mit Paule Pinguin!

Es scheint ewig her zu sein – wann habe ich das letzte Mal etwas gebloggt? Heute melde ich mich zurück. Uns geht es dufte, ich bin im Mutterschutz und habe endlich wieder die Ruhe, mich mit Bilderbüchern zu beschäftigen. Mein schlechtes Gewissen ist mindestens so hoch, wie der Stapel Herzensbücher, die ich euch vorstellen möchte. Nun denn, Einsicht ist ja bekanntlich der erste Weg zur Besserung. Den Anfang macht „Paule Pinguin allein am Pol“ von Jory John und Lane Smith, erschienen bei Carlsen.

Was habe ich mich gefreut, als das Buch bei mir ankam. Die Carlsen-Ladies Ute und Ramona geben sich aber auch immer wahnsinnig viel Mühe! Dieser Titel kam in Paule Pinguin Geschenkpapier verpackt, plus persönlichem Anschreiben und Poster. Danke, ihr Lieben! Mit „Paule Pinguin allein am Pol“ trefft ihr genau meinen Geschmack. Sowohl Aufmachung, Illustrationen, Text als auch (wenn man es denn so nennen möchte) „Message“ zaubern mir ein Lächeln ins Gesicht. Dieser mürrische kleine Meckerpinguin ist mir sofort ans Herz gewachsen.

Der Inhalt des Buches ist schnell erzählt: Paule Pinguin ist schlecht drauf. Alles nervt ihn. Er hat Hunger. Das Meer riecht ihm zu salzig. Sein Schnabel friert und sowieso hat er dermaßen viele Probleme – und keiner interessiert sich dafür! Bis ihm just ein Walross auf die Schulter tippt, das durchaus ein paar Zeilen Weisheit zu Paules Miesepetrigkeit beizutragen hat:

„Ja, hier draußen ist es nicht immer einfach. […] Aber hör gut zu, mein Freund: Ich würde niemals mein Leben gegen ein anderes eintauschen, und du, schätze ich, genauso wenig.“

Paule kekst sich nach dem Walross-Monolog natürlich gleich wieder auf – „Wer, um alles in der Welt, war das denn?“. Muss aber einsehen, dass das Walross Recht hat. Er hat Gründe, sein Leben wertzuschätzen. Er hat seine Freunde, Familie, er hat ein Zuhause und Meer und Berge sind auch ganz in Ordnung. Alles in allem, also gar nicht so dramatisch.

Woran mich „Paule Pinguin allein am Pol“ erinnert? An eine Mischung aus Lane Smiths Titel „Das ist ein Buch“, der „Ohne dich ist alles doof“-Welt, Jory Johns Titel „Alle meine Freunde sind tot“, gemischt mit einer großen Prise Sarkasmus und Erwachsenenhumor. Und der macht den Reiz an diesem Bilderbuch für mich aus: Jory Johns und Lane Smiths außergewöhnlicher Humor. Ähnlich wie in „Das ist ein Buch“ lesen sich die kurzen mauligen Sätze des kleinen Pinguins recht trocken. Man hört Paules genervten Tonfall förmlich. Ein herrlicher Vorlesespaß! Wer „Das ist ein Buch“ nicht kennt, sollte sich dieses Video unbedingt ansehen:

Und auch die „Message“ empfinde ich gelungen. Paule hat keinen plötzlichen Sinneswandel, aber er nimmt sich die Worte des fremden Walrosses zu Herzen. Klar, erst einmal empfindet er dessen Monolog (im Kontext dieses Buches ist es tatsächlich ein wahnsinnig langer Part) als übergriffig. Nach und nach dämmert dem Meckerpinguin aber dessen Wahrheit: Das Leben ist nicht immer toll und lustig und Spaß macht es auch nicht immer. Aber hey, auch schlechte Tage gehören dazu. Und letztendlich ist unser Leben einzigartig – dafür sollten wir dankbar sein. Denk noch einmal drüber nach, gibt es nicht auch in dunklen Stunden etwas, wofür wir trotz allem dankbar sind?

Absolut! Wofür seid ihr denn besonders dankbar? Dieses Buch ist vielleicht mal wieder ein Anlass, darüber nachzudenken…


„Paule Pinguin allein am Pol“

von Jory John & Lane Smith
ISBN 978 3 551 51854 5
Carlsen Verlag
Erschienen im Juli 2017

 

 

 

P.s.: Lustiger Fakt am Rande: Bis zum Ende dieses Beitrages habe ich mich gefragt, warum das Buch „Paule Pinguin allein am Pool“ heißt… Uups!

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Rudi Regenbogen und die verlorenen Farben

Erinnert ihr euch noch an mein Interview mit Feli und Martina vom Blog Ene Mene Mobile? Die beiden Medienprofis sind Experten, wenn es um Apps für Kinder geht und neuerdings bloggen sie nicht nur zu diesem Thema, sondern haben auch ihre erste eigene App auf dem Markt: Rudi Regenbogen und die verlorenen Farben. Ich freue mich sehr, zu den Glücklichen zu gehören, die sich die App schonmal angucken durften – immerhin ist dies tatsächlich die erste mobile Kids-Content-Anwendung, die ich benutze. Spiele-Apps lassen mich eigentlich kalt. Aber bei Rudi Regenbogen mache ich da mal eine Ausnahme…

Kinderbuch und Wetter-Lern-App

Das Schöne an Rudi Regenbogen ist die Übersichtlichkeit der App. Ihr lacht, aber ich bin als Erwachsene ja schonmal an einem TKKG-Computerspiel gescheitert: Zu laut, zu viele Möglichkeiten, zu viel Gamification. Der Startbildschirm von Rudi Regenbogen ist in positiver Weise schlicht. Entweder man startet sofort mit Kapitel 1, wählt eines der folgenden Kapitel aus oder erfährt mehr über die einzelnen Charaktere der App. Für Elterninformationen und Einstellungen gibt es zwei kleinere Buttons. Empfohlen ist die App ab 5 Jahren. Dazu passend, kann man sich die geschriebenen Texte auch vorlesen lassen. Bisher ist Vorlesen nur auf Deutsch oder Englisch möglich. Die Texte sind aber auch auf Spanisch, Italienisch, Französisch oder Portugiesisch abrufbar. Was mir gut gefällt: Mit wenigen Klicks lassen sich die Hintergrundgeräusche ausstellen. Gerade für kleinere Menschen bestimmt sinnvoll – denn die Grafik ist mitunter sehr farbenfroh und aufregend.

„Rudi Regenbogen und die verlorenen Farben“ weiterlesen

Grrr! Mama muss sich Luft machen…

Seitdem ich schwanger bin, fahre ich emotional Achterbahn. Es passiert aber auch vieles, das mich herausfordert – angefangen beim positiven Schwangerschaftstest. Trotzdem kann ich meinen momentanen Unmut nicht gänzlich auf die Schwangerschaftshormone schieben. Denn ich befürchte, wären Menschen in meinem bisherigen Leben auch so übergriffig gewesen, wäre ich schon längst explodiert. Nun ist es halt nach knapp der Hälfte der Schwangerschaft so weit: Leute, lasst mich einfach in Ruhe mit euren Meinungen und vermeintlich guten Ratschlägen.

Jeder hat eine Meinung – und niemand behält sie für sich

Jetzt kann man mich naiv nennen: Weiß doch jeder, dass schwangere Frauen immer von allen Seiten gute Ratschläge bekommen. Ja. Wusste ich auch. Wie übergriffig Menschen allerdings sein können, wird mir jetzt erst richtig bewusst. Angefangen bei der Frage: Und, war es geplant? Grundsätzlich möchte man erwidern: Nein, ich habe besoffen jemanden in einer Bar aufgegabelt und dann ist es halt so passiert… Meist ringe ich mir trotzdem ein müdes Lächeln ab und versuche einigermaßen höflich zu antworten. Dies sei eine sehr private Frage. Was bedeute schon geplant? Erwünscht sei es auf jeden Fall. Bla bla bla.

Doch auch alle weiteren Details meiner Schwangerschaft und bisherigen Zukunftsplanung werden fröhlich kommentiert: Wie finanziert ihr das eigentlich? – Also nach so einer kurzen Beziehung würde ich ja kein Kind in die Welt setzen. – Na das wirst du schon früh genug lernen… – Geburtshaus? Oh Gott, das ist doch gefährlich! – Jetzt solltest du aber unbedingt wieder Fleisch essen. Sonst leidet doch dein Kind. – Laura, warte erstmal ab. Du hast jetzt noch gar keine Ahnung. Das wird ganz anders. – Ach danach 30 Stunden pro Woche? Das wird nie was. Aber das müsst ihr ja selber wissen. – So groß wie das Kind jetzt schon ist, müsst ihr einen Kaiserschnitt planen. Sie nicht so naiv, Laura. – Die Liste ließe sich endlos fortsetzen…

Mir ist bewusst, dass bereits zahlreiche Frauen gegen diese Übergriffigkeit gekämpft haben. Ich erzähle euch nichts Neues. Trotzdem ist es mir wichtig, noch einmal zu betonen – und womöglich damit Menschen zu erreichen, die sich dessen noch nicht bewusst sind – wie grauenhaft dieses Verhalten ist. Vom an den Bauch greifen, fange ich gar nicht erst an…

Eigene Kinder machen euch nicht zu Experten

Was mich aber am meisten nervt? Andere Eltern! Ein Kind zu haben, macht Menschen nicht automatisch zu Experten auf ALLEN angrenzenden Gebieten. Und – oh Wunder! – jedes Kind ist anders. Nur weil ihr eine schwere Geburt hattet, muss meine nicht die Hölle werden. Nur weil euer Kind auch nach Jahren noch nicht durchschläft, heißt das nicht, dass meins Schwierigkeiten damit haben wird. Wieso stärkt ihr nicht einfach das Selbstvertrauen anderer Eltern? Wieso ermutigt ihr nicht, dass jeder seinen eigenen Weg findet? Wozu die Angstmacherei und das unter Druck setzen? Gut gemeinte Tipps von oben herab, mit einem süffisanten Grinsen, das mir „Ja ja, das lernst du dann auch noch…“ sagen soll, bringen mir rein gar nichts.

Versteht mich nicht falsch: Der Austausch unter Eltern erscheint mir absolut wichtig. Aber wenn ich Fragen habe, frage ich. Ich kommentiere nicht einfach ungefragt eure Entscheidungen und Lebensweise. Wahrscheinlich werde ich im nächsten Jahr noch oft genug durch Blogs und Foren tingeln und Tipps gegen Bauchweh, Blähungen oder sonstige Wehwehchen suchen. Dann bin ich dankbar für Anworten und eigene Erfahrungen. Aber bitte auf Augenhöhe. Ich bin nicht dumm – ich kriege nur ein Baby. Und wir kriegen das schon hin. Davon bin ich überzeugt.

Musstet ihr bereits ähnliche Erfahrungen machen? Regt euch das Thema auch so auf? Ich bin gespannt…

 

Illustratorin Julie Völk im Gespräch

Ihre Bücher kenne und liebe ich alle, jetzt hat sie mir sogar ein paar Fragen beantwortet. Die sympathische Illustratorin Julie Völk malt zauberschöne verträumte Bilder. Ihre Bilderbücher sind bereits mehrfach ausgezeichnet – für ihre Bachelorarbeit „Das Löwenmädchen“ hat sie 2015 sogar den Troisdorfer Bilderbuchpreis erhalten! Ich hoffe sehr, dass noch viele, viele Bücher von ihr erscheinen werden, die ich allesamt dem kleinen Minimenschlein in meinem Bauch zeigen möchte… Viel Spaß mit unserem Interview!

Liebe Julie, danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Deine Illustrationen sind preisgekrönt und du vermutlich immerzu beschäftigt… Sag mal, wolltest du schon immer Illustratorin werden oder hättest du dir auch eine andere Zukunft vorstellen können?

Julie Völk SelbstportraitUrsprünglich wollte ich Millionärin werden. Damit ich wunderschöne Waisenhäuser bauen kann mit allem, was man sich als Kind so wünscht. Schwimmbad, Toberaum, Ställe für Pferde und Tiere, Kuschelraum, riesige Küche, traumhafter Garten und gemütliche Kinderzimmer. So bin ich eigentlich zum Zeichnen gekommen, denn das muss ja alles entworfen werden. Und die Kinder die darin wohnen sollten habe ich dann auch gezeichnet.

Als es dann aber irgendwann ernsthaft darum ging was man werden möchte, wollte ich unbedingt etwas mit Zeichnen machen. Architektur, Kostümdesign oder Modedesign waren die ersten Gedanken, aber als mir klar wurde, dass man auch Illustratorin werden kann, stand mein Entschluss fest. „Illustratorin Julie Völk im Gespräch“ weiterlesen

Vorfreude! Bilderbuch-Lieblinge des Sommers

Endlich scheint in Hamburg die Sonne! Dieses Jahr war der Winter gefühlt sieben Monate lang. Trotzdem stecke ich beruflich schon wieder in der kalten Jahreszeit, wälze Vorschauen, entdecke Bilderbuch-Lieblinge und Belletristik-Highlights des Herbstprogramms und plane Lesungen. Warum dann nicht gleich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und Euch an meiner Ausbeute teilhaben lassen? Et voilà! Hier sind meine acht Bilderbuch-Lieblinge des Sommers bzw. Herbstes 2017.

 

„Als Oma immer kleiner wurde“

von Inka Pabst und Mehrdad Zaeri
Tulipan Verlag | Erscheint am 24.07.2017

Bei Bilderbüchern bin ich kritisch: Wenn mir das Cover schon nicht gefällt, sehe ich mir das Buch meist gar nicht an. Bei „Als Oma immer kleiner wurde“ war es genau andersherum! Was für eine wunderschön zarte, zu Herzen gehende Illustration! Mehrdad Zaeri habe ich durch den Facebook-Account der Bücherkinder kennengelernt und seither großer Fan seiner Kunst. Er ist vermutlich die perfekte Besetzung, um Inka Pabst Geschichte um Oma, die immer gebrechlicher mit dem Alter wird, zu bebildern. Große Vorfreude!

„Vorfreude! Bilderbuch-Lieblinge des Sommers“ weiterlesen

Es gibt Neuigkeiten…

Eine Weile ist es bereits sehr ruhig auf Lütte Lotte. Zwischen Arbeit und Privatleben bleibt gerade keine Zeit für Blogbeiträge. Nicht, weil die Lust an Kinderbüchern verschwunden oder die Lieblingskünstler ausgegangen wären. Nein, meine Freizeit verbinge ich nur gerade oft in Gedanken. Gedanken an die Zukunft. Denn dieses Jahr steht mir ein großes Abenteuer bevor – im Grunde, befinde ich mich schon mittendrin… Ab Herbst kann ich meine liebsten Bilderbücher hoffentlich aktiv nutzen, denn im Oktober bekomme ich mein erstes Kind.

Ich werde Mama. Irre!

Vieles wird sich ändern, vieles gilt es zu meistern, aber ich bin guter Dinge und freue mich sehr. Auch wenn Lütte Lotte dafür etwas kürzer treten muss. Doch wer weiß, vielleicht ändert sich hier aber auch gar nicht viel – meine Expertise wächst ja im Grunde nur. Und wie sie wächst, das Menschenkind gedeiht prächtig!

Jetzt ist es raus und ich muss nicht mehr schweigen, aus Angst, mich zu verplappern. Ich freue mich schon auf die kommenden Monate und Jahre, in denen mein Nachwuchs bestimmt auch das ein oder andere Mal Erwähnung im Blog finden wird. Wenn er oder sie nach mir (oder nach seinem Vater) kommt, werden es spannende kommende Zeiten…

Herzlichst,
Laura

Niemals Gewalt! Astrid Lindgrens flammende Rede für Kinderrechte

Manche Bücher brauchen keine 1000 Seiten, um wichtig und machtvoll zu sein. Astrid Lindgrens Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978 „Niemals Gewalt!“ braucht nur wenige Worte. Diesen Monat ist ihre Rede endlich wieder in gedruckter Form im Verlag Friedrich Oetinger erschienen. Ein unscheinbares kleines Büchlein für nur 5 €. Umso furiuoser ist sein Inhalt. Mich hat er tief bewegt und zum Nachdenken angeregt – eine absolute Leseempfehlung!

Astrid Lindgren hat wie kaum eine andere Autorin die Kinderliteraturlandschaft geprägt. In ihrem Heimatland Schweden war sie jedoch noch viel angesehener, ihre Worte hatten Gewicht. Nicht nur einmal hat sie ihre politische Meinung in den Medien kundgetan und sich besonders nach ihrer Geheimdienstarbeit während des zweiten Weltkriegs, für eine friedliche Welt eingesetzt. 1978 war der zweite Weltkrieg erst knapp 30 Jahre vorbei, viele Erwachsene hatten die Schrecken des Krieges noch vor Augen, Angehörige oder Freunde verloren. „Niemals Gewalt! Astrid Lindgrens flammende Rede für Kinderrechte“ weiterlesen

Indiebookday – Für Kinderbuchleser

Einmal im Jahr feiert das Netz kleine und unabhängige Verlage und ihre klasse Bücher. Leider gehen diese in der Flut der Neuerscheinungen oft unter. Große Verlage sind in Buchhandlungen automatisch zahlreicher vertreten, da sie auch viel mehr Titel auf den Markt bringen. Daniel Beskos aus dem Mairisch Verlag möchte die Sichtbarkeit der Kleinen verbessern und veranstaltet deshalb am morgigen Samstag bereits zum fünften Mal den Indiebookday.

Das Mitmachen ist ganz einfach:
  • Geht in eure Lieblingsbuchhandlung
  • Kauft ein Buch eines kleinen oder unabhängigen Verlages
  • Postet ein Bild des Buches auf dem Social-Media-Kanal eurer Wahl
  • Verwendet den Hashtag #indiebookday

Es gibt viele Möglichkeiten herauszufinden, welche Verlage klein und unabhängig und damit indie sind. Die Kurt-Wolff-Stiftung bringt einmal jährlich einen Katalog mit 65 unabhängigen Verlagen heraus. Aber z.B. auch Mara von Buzzaldrins Bücher hat eine klasse Liste veröffentlicht. Was mir immer fehlt, ist eine Übersicht über unabhängige Kinderbuchverlage. Deshalb habe ich hier mal ein paar versammelt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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