Rudi Regenbogen und die verlorenen Farben

Erinnert ihr euch noch an mein Interview mit Feli und Martina vom Blog Ene Mene Mobile? Die beiden Medienprofis sind Experten, wenn es um Apps für Kinder geht und neuerdings bloggen sie nicht nur zu diesem Thema, sondern haben auch ihre erste eigene App auf dem Markt: Rudi Regenbogen und die verlorenen Farben. Ich freue mich sehr, zu den Glücklichen zu gehören, die sich die App schonmal angucken durften – immerhin ist dies tatsächlich die erste mobile Kids-Content-Anwendung, die ich benutze. Spiele-Apps lassen mich eigentlich kalt. Aber bei Rudi Regenbogen mache ich da mal eine Ausnahme…

Kinderbuch und Wetter-Lern-App

Das Schöne an Rudi Regenbogen ist die Übersichtlichkeit der App. Ihr lacht, aber ich bin als Erwachsene ja schonmal an einem TKKG-Computerspiel gescheitert: Zu laut, zu viele Möglichkeiten, zu viel Gamification. Der Startbildschirm von Rudi Regenbogen ist in positiver Weise schlicht. Entweder man startet sofort mit Kapitel 1, wählt eines der folgenden Kapitel aus oder erfährt mehr über die einzelnen Charaktere der App. Für Elterninformationen und Einstellungen gibt es zwei kleinere Buttons. Empfohlen ist die App ab 5 Jahren. Dazu passend, kann man sich die geschriebenen Texte auch vorlesen lassen. Bisher ist Vorlesen nur auf Deutsch oder Englisch möglich. Die Texte sind aber auch auf Spanisch, Italienisch, Französisch oder Portugiesisch abrufbar. Was mir gut gefällt: Mit wenigen Klicks lassen sich die Hintergrundgeräusche ausstellen. Gerade für kleinere Menschen bestimmt sinnvoll – denn die Grafik ist mitunter sehr farbenfroh und aufregend.

Aber worum geht es eigentlich? Rudi Regenbogen ist keine klassische Spiele-App. Vielmehr ist es ein digitales Bilderbuch mit einzelnen Animationen und mehreren Mini-Spielen. Der Spieler begleitet Rudi Regenbogen und seine Freunde einen Tag lang durch Novemberville. Am Anfang der Geschichte verliert Rudi seine bunten Farben, aber seine Freunde und die anderen Bewohner von Novemberville helfen ihm natürlich bei der Suche. Nebenbei erfährt der Spieler einiges zum Thema Wetter. Denn in Novemberville hat jeder Bewohner eine wichtige Aufgabe: die Wettervorhersage muss eingehalten werden.

Keine Werbung, keine In-App-Käufe!

Die App ist für Kinder ab 5 Jahren konzipiert. Es gibt keine Werbung und es ist auch nicht möglich, In-App-Käufe zu tätigen. Den deutschen Part spricht übrigens William Cohn – den ich bisher nur aus Jan Böhmermanns Neo Magazin Royale kannte.

Mein Fazit: Ich habe Rudi Regenbogen und die verlorenen Farben an einem Nachmittag durchgespielt – das spricht für sich. Das spielende Kind wird weder mit spielerischen Reizen, Tönen, Blinken oder wilder Animation überfordert. Selbst die Hintergrundmusik lässt sich einfach ausstellen, sodass man sich noch besser auf die Geschichte konzentrieren kann. Und die ist wirklich mit Liebe gemacht: Mir waren die Bewohner von Novemberville auf Anhieb sympathisch! Es hat Spaß gemacht, sich den Mond als dicken Assistenten der Erde und Harald Hurricane als etwas aufbrausenden, aber liebevollen Familienvater vorzustellen. Für mein Empfinden wurden die Informationen zu Wetter und Weltall gelungen untergebracht, spielerisch und nicht zu umfangreich. Sechs interaktive Mini-Games lockern die einzelnen Szenen auf und sorgen für Abwechslung während der Anwendung.

Vielen Dank, Feli und Martina, dass ich Rudi Regenbogen testen durfte. Ich wünsche Eurem Baby nur das Beste und viel Erfolg!

Und wer jetzt mehr wissen möchte, findet hier alle Infos:

Website: www.rudiregenbogen.de
Link zum App-Store: http://rudirainbow.com/Download-iOS

• Für iPhone und iPad
• Mit 27 Emoji-Stickern für iMessage
• Preis: 3,49 € im App Store
• Gefördert vom Medienboard Berlin Brandenburg

 

Grrr! Mama muss sich Luft machen…

Seitdem ich schwanger bin, fahre ich emotional Achterbahn. Es passiert aber auch vieles, das mich herausfordert – angefangen beim positiven Schwangerschaftstest. Trotzdem kann ich meinen momentanen Unmut nicht gänzlich auf die Schwangerschaftshormone schieben. Denn ich befürchte, wären Menschen in meinem bisherigen Leben auch so übergriffig gewesen, wäre ich schon längst explodiert. Nun ist es halt nach knapp der Hälfte der Schwangerschaft so weit: Leute, lasst mich einfach in Ruhe mit euren Meinungen und vermeintlich guten Ratschlägen.

Jeder hat eine Meinung – und niemand behält sie für sich

Jetzt kann man mich naiv nennen: Weiß doch jeder, dass schwangere Frauen immer von allen Seiten gute Ratschläge bekommen. Ja. Wusste ich auch. Wie übergriffig Menschen allerdings sein können, wird mir jetzt erst richtig bewusst. Angefangen bei der Frage: Und, war es geplant? Grundsätzlich möchte man erwidern: Nein, ich habe besoffen jemanden in einer Bar aufgegabelt und dann ist es halt so passiert… Meist ringe ich mir trotzdem ein müdes Lächeln ab und versuche einigermaßen höflich zu antworten. Dies sei eine sehr private Frage. Was bedeute schon geplant? Erwünscht sei es auf jeden Fall. Bla bla bla.

Doch auch alle weiteren Details meiner Schwangerschaft und bisherigen Zukunftsplanung werden fröhlich kommentiert: Wie finanziert ihr das eigentlich? – Also nach so einer kurzen Beziehung würde ich ja kein Kind in die Welt setzen. – Na das wirst du schon früh genug lernen… – Geburtshaus? Oh Gott, das ist doch gefährlich! – Jetzt solltest du aber unbedingt wieder Fleisch essen. Sonst leidet doch dein Kind. – Laura, warte erstmal ab. Du hast jetzt noch gar keine Ahnung. Das wird ganz anders. – Ach danach 30 Stunden pro Woche? Das wird nie was. Aber das müsst ihr ja selber wissen. – So groß wie das Kind jetzt schon ist, müsst ihr einen Kaiserschnitt planen. Sie nicht so naiv, Laura. – Die Liste ließe sich endlos fortsetzen…

Mir ist bewusst, dass bereits zahlreiche Frauen gegen diese Übergriffigkeit gekämpft haben. Ich erzähle euch nichts Neues. Trotzdem ist es mir wichtig, noch einmal zu betonen – und womöglich damit Menschen zu erreichen, die sich dessen noch nicht bewusst sind – wie grauenhaft dieses Verhalten ist. Vom an den Bauch greifen, fange ich gar nicht erst an…

Eigene Kinder machen euch nicht zu Experten

Was mich aber am meisten nervt? Andere Eltern! Ein Kind zu haben, macht Menschen nicht automatisch zu Experten auf ALLEN angrenzenden Gebieten. Und – oh Wunder! – jedes Kind ist anders. Nur weil ihr eine schwere Geburt hattet, muss meine nicht die Hölle werden. Nur weil euer Kind auch nach Jahren noch nicht durchschläft, heißt das nicht, dass meins Schwierigkeiten damit haben wird. Wieso stärkt ihr nicht einfach das Selbstvertrauen anderer Eltern? Wieso ermutigt ihr nicht, dass jeder seinen eigenen Weg findet? Wozu die Angstmacherei und das unter Druck setzen? Gut gemeinte Tipps von oben herab, mit einem süffisanten Grinsen, das mir „Ja ja, das lernst du dann auch noch…“ sagen soll, bringen mir rein gar nichts.

Versteht mich nicht falsch: Der Austausch unter Eltern erscheint mir absolut wichtig. Aber wenn ich Fragen habe, frage ich. Ich kommentiere nicht einfach ungefragt eure Entscheidungen und Lebensweise. Wahrscheinlich werde ich im nächsten Jahr noch oft genug durch Blogs und Foren tingeln und Tipps gegen Bauchweh, Blähungen oder sonstige Wehwehchen suchen. Dann bin ich dankbar für Anworten und eigene Erfahrungen. Aber bitte auf Augenhöhe. Ich bin nicht dumm – ich kriege nur ein Baby. Und wir kriegen das schon hin. Davon bin ich überzeugt.

Musstet ihr bereits ähnliche Erfahrungen machen? Regt euch das Thema auch so auf? Ich bin gespannt…

 

Illustratorin Julie Völk im Gespräch

Ihre Bücher kenne und liebe ich alle, jetzt hat sie mir sogar ein paar Fragen beantwortet. Die sympathische Illustratorin Julie Völk malt zauberschöne verträumte Bilder. Ihre Bilderbücher sind bereits mehrfach ausgezeichnet – für ihre Bachelorarbeit „Das Löwenmädchen“ hat sie 2015 sogar den Troisdorfer Bilderbuchpreis erhalten! Ich hoffe sehr, dass noch viele, viele Bücher von ihr erscheinen werden, die ich allesamt dem kleinen Minimenschlein in meinem Bauch zeigen möchte… Viel Spaß mit unserem Interview!

Liebe Julie, danke, dass du dir Zeit für dieses Interview nimmst. Deine Illustrationen sind preisgekrönt und du vermutlich immerzu beschäftigt… Sag mal, wolltest du schon immer Illustratorin werden oder hättest du dir auch eine andere Zukunft vorstellen können?

Julie Völk SelbstportraitUrsprünglich wollte ich Millionärin werden. Damit ich wunderschöne Waisenhäuser bauen kann mit allem, was man sich als Kind so wünscht. Schwimmbad, Toberaum, Ställe für Pferde und Tiere, Kuschelraum, riesige Küche, traumhafter Garten und gemütliche Kinderzimmer. So bin ich eigentlich zum Zeichnen gekommen, denn das muss ja alles entworfen werden. Und die Kinder die darin wohnen sollten habe ich dann auch gezeichnet.

Als es dann aber irgendwann ernsthaft darum ging was man werden möchte, wollte ich unbedingt etwas mit Zeichnen machen. Architektur, Kostümdesign oder Modedesign waren die ersten Gedanken, aber als mir klar wurde, dass man auch Illustratorin werden kann, stand mein Entschluss fest.

Was inspiriert dich zu zeichnen? Wann nimmst du besonders gerne am Schreibtisch Platz? 

Inspiration finde ich manchmal beim Spazieren und Reisen, Fotobände anschauen, Musik hören oder beim einfach draufloszeichnen. Aber verlassen kann man sich leider nie darauf. Ich muss spätestens um 9.00 Uhr am Schreibtisch sitzen, sonst ist das Arbeiten unbefriedigend, oder ich komme überhaupt nicht mehr hinein. Meistens habe ich aber auch nur bis um ca. 12 Uhr Zeit, weil ich dann meine Tochter vom Kindergarten abhole, oder sie zumindest zu Hause ist und dann kann ich mich nicht mehr so gut konzentrieren. Zum Glück ist mein Freund auch selbstständig und wir können uns je nach Arbeitslage mit dem Hausmann- und Hausfrausein abwechseln. Ab und zu gelingt es mir auch, mich abends noch einmal hinzusetzen und zu arbeiten.

Meinen Schreibtisch brauche ich unbedingt zum Arbeiten, draussen oder im Café gibt es so viel zu sehen, dort lade ich meinen Kopf auf. Aber Zeichnen, Schreiben oder Lesen, fällt mir außerhalb meiner vier Wände extrem schwer.

Deine Bachelorarbeit „Das Löwenmädchen“ ist im Gerstenberg Verlag erschienen und auch dein folgendes Bilderbuch „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ wurde im kleinen Hildesheimer Verlag veröffentlicht. Wie kam es zu dieser schönen Zusammenarbeit?

Bei einer Jahresausstellung der HAW hat der Gerstenberg Verlag meine Illustrationen entdeckt und über Prof. Mölck-Tassel ist dann der Kontakt zu mir entstanden. Auf der darauf folgenden Frankfurter Buchmesse traf ich mich mit der Lektorin Kathrin Jockusch. Wir haben uns sofort gut verstanden und Frau Jockusch hat ein gutes Gespür dafür, was für Geschichten zu meinem Zeichenstil passen. In den kleinsten Skizzen (meine Skizzen sind meistens nur etwas größer als Briefmarken) sieht sie sofort die Stimmung und die Geschichte, die ich damit erzählen möchte.

Julie Völk Guten Morgen kleine Eisenbahn Gerstenberg Verlag
Illustration aus „Guten Morgen, kleine Straßenbahn!“ (Gerstenberg Verlag)

Die Illustrationen in deinen Bilderbüchern sind eine Mischung aus zarten Bleistiftzeichnungen und wenigen, aber markanten Farben. Hast du illustrative Vorbilder? Oder hast du noch einen Geheimtipp für uns – wen sollte man unbedingt kennen bzw. im Auge behalten?

Das ist eine schwierige Frage! Illustrative Vorbilder habe ich genau genommen nicht. Ein Vorbild ist auf jeden Fall Astrid Lindgren. Ich bewundere viele Illustratorinnen und Illustratoren, dann schau ich mir die Bilder an und denk „Boah, wie geil!“, aber meistens haben die einen ganz anderen Stil als ich. Ich glaube, geprägt haben mich Bücher aus meiner Kindheit. Die Geschichte von Babar dem Elefanten, geschrieben und illustriert von Jean de Brunhoffs, berührt mich immer noch stark. Wenn ich die Bilder heute sehe, bekomme ich sofort wieder diese Gefühle, die ich als Kind hatte als ich mir die Geschichte ansah. Obwohl ich den Text zusammen mit den Bildern überhaupt nicht mehr gut finde. Ähnlich aber längst nicht so intensiv geht es mir bei Illustrationen von Hajnal Gabriella, Tomi Ungerer und Janosch. Einen Geheimtipp habe ich leider nicht, ich hinke glaube ich immer etwas hinterher, was den Bilderbuchmarkt angeht.

„Gerade bin ich ‚Fan‘ von Benjamin Chaud und Jon Klasssen. Als ‚Geheimtipp‘ würde ich am ehesten Vernic Vendi oder Asian Lora Miren nennen.“

Woran arbeitest du momentan? Gibt es bald wieder etwas Neues von dir in den Buchhandlungen?

Zu Weihnachten wird wieder ein Bilderbuch bei Gerstenberg erscheinen [Anmerkung: Erscheint im August 2017]. „Stille Nacht, fröhliche Nacht“, wie bei der Straßenbahn funktioniert es ohne Text, ist aber farbiger als sonst, also richtig weihnachtlich. Darauf freue ich mich schon sehr, weil ich inzwischen weiss, dass die Bücher beim Gerstenberg Verlag immer schön werden. Die Herstellung spielt so eine große Rolle, dass ist einem vorher (oder als Betrachter) gar nicht bewusst. Und diesmal gibt es sogar eine Prägung im Cover. Gerade arbeite ich an einer Geschichte für Beltz und Gelberg und für den Obelisk Verlag habe ich wieder eine Geschichte von Renate Welsh bebildert.

Julie Völk Das Löwenmädchen Gerstenberg Verlag
Illustration aus „Das Löwenmädchen“ (Gerstenberg Verlag)

 

Vielen Dank für das wunderbare Interview & viel Erfolg für alle deine weiteren Projekte, Julie!

 

Vorfreude! Bilderbuch-Lieblinge des Sommers

Endlich scheint in Hamburg die Sonne! Dieses Jahr war der Winter gefühlt sieben Monate lang. Trotzdem stecke ich beruflich schon wieder in der kalten Jahreszeit, wälze Vorschauen, entdecke Bilderbuch-Lieblinge und Belletristik-Highlights des Herbstprogramms und plane Lesungen. Warum dann nicht gleich das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden und Euch an meiner Ausbeute teilhaben lassen? Et voilà! Hier sind meine acht Bilderbuch-Lieblinge des Sommers bzw. Herbstes 2017.

 

„Als Oma immer kleiner wurde“

von Inka Pabst und Mehrdad Zaeri
Tulipan Verlag | Erscheint am 24.07.2017

Bei Bilderbüchern bin ich kritisch: Wenn mir das Cover schon nicht gefällt, sehe ich mir das Buch meist gar nicht an. Bei „Als Oma immer kleiner wurde“ war es genau andersherum! Was für eine wunderschön zarte, zu Herzen gehende Illustration! Mehrdad Zaeri habe ich durch den Facebook-Account der Bücherkinder kennengelernt und seither großer Fan seiner Kunst. Er ist vermutlich die perfekte Besetzung, um Inka Pabst Geschichte um Oma, die immer gebrechlicher mit dem Alter wird, zu bebildern. Große Vorfreude!

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Es gibt Neuigkeiten…

Eine Weile ist es bereits sehr ruhig auf Lütte Lotte. Zwischen Arbeit und Privatleben bleibt gerade keine Zeit für Blogbeiträge. Nicht, weil die Lust an Kinderbüchern verschwunden oder die Lieblingskünstler ausgegangen wären. Nein, meine Freizeit verbinge ich nur gerade oft in Gedanken. Gedanken an die Zukunft. Denn dieses Jahr steht mir ein großes Abenteuer bevor – im Grunde, befinde ich mich schon mittendrin… Ab Herbst kann ich meine liebsten Bilderbücher hoffentlich aktiv nutzen, denn im Oktober bekomme ich mein erstes Kind.

Ich werde Mama. Irre!

Vieles wird sich ändern, vieles gilt es zu meistern, aber ich bin guter Dinge und freue mich sehr. Auch wenn Lütte Lotte dafür etwas kürzer treten muss. Doch wer weiß, vielleicht ändert sich hier aber auch gar nicht viel – meine Expertise wächst ja im Grunde nur. Und wie sie wächst, das Menschenkind gedeiht prächtig!

Jetzt ist es raus und ich muss nicht mehr schweigen, aus Angst, mich zu verplappern. Ich freue mich schon auf die kommenden Monate und Jahre, in denen mein Nachwuchs bestimmt auch das ein oder andere Mal Erwähnung im Blog finden wird. Wenn er oder sie nach mir (oder nach seinem Vater) kommt, werden es spannende kommende Zeiten…

Herzlichst,
Laura

Niemals Gewalt! Astrid Lindgrens flammende Rede für Kinderrechte

Manche Bücher brauchen keine 1000 Seiten, um wichtig und machtvoll zu sein. Astrid Lindgrens Rede anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 1978 „Niemals Gewalt!“ braucht nur wenige Worte. Diesen Monat ist ihre Rede endlich wieder in gedruckter Form im Verlag Friedrich Oetinger erschienen. Ein unscheinbares kleines Büchlein für nur 5 €. Umso furiuoser ist sein Inhalt. Mich hat er tief bewegt und zum Nachdenken angeregt – eine absolute Leseempfehlung!

Astrid Lindgren hat wie kaum eine andere Autorin die Kinderliteraturlandschaft geprägt. In ihrem Heimatland Schweden war sie jedoch noch viel angesehener, ihre Worte hatten Gewicht. Nicht nur einmal hat sie ihre politische Meinung in den Medien kundgetan und sich besonders nach ihrer Geheimdienstarbeit während des zweiten Weltkriegs, für eine friedliche Welt eingesetzt. 1978 war der zweite Weltkrieg erst knapp 30 Jahre vorbei, viele Erwachsene hatten die Schrecken des Krieges noch vor Augen, Angehörige oder Freunde verloren. Continue reading „Niemals Gewalt! Astrid Lindgrens flammende Rede für Kinderrechte“

Indiebookday – Für Kinderbuchleser

Einmal im Jahr feiert das Netz kleine und unabhängige Verlage und ihre klasse Bücher. Leider gehen diese in der Flut der Neuerscheinungen oft unter. Große Verlage sind in Buchhandlungen automatisch zahlreicher vertreten, da sie auch viel mehr Titel auf den Markt bringen. Daniel Beskos aus dem Mairisch Verlag möchte die Sichtbarkeit der Kleinen verbessern und veranstaltet deshalb am morgigen Samstag bereits zum fünften Mal den Indiebookday.

Das Mitmachen ist ganz einfach:
  • Geht in eure Lieblingsbuchhandlung
  • Kauft ein Buch eines kleinen oder unabhängigen Verlages
  • Postet ein Bild des Buches auf dem Social-Media-Kanal eurer Wahl
  • Verwendet den Hashtag #indiebookday

Es gibt viele Möglichkeiten herauszufinden, welche Verlage klein und unabhängig und damit indie sind. Die Kurt-Wolff-Stiftung bringt einmal jährlich einen Katalog mit 65 unabhängigen Verlagen heraus. Aber z.B. auch Mara von Buzzaldrins Bücher hat eine klasse Liste veröffentlicht. Was mir immer fehlt, ist eine Übersicht über unabhängige Kinderbuchverlage. Deshalb habe ich hier mal ein paar versammelt – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

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„Herr Panda und das BITTE“

Ach ja, die Höflichkeit. Bekannterweise haben wir ja alle ein anderes Empfinden, wenn es ans Thema Höflichkeit geht. Worauf sich die meisten unter uns jedoch einigen können, ist, dass Danke und Bitte zum Grundwortschatz gehören sollten. Wer das mit seinen Kindern üben möchte, sollte sich „Herr Panda und das BITTE“ anschaffen.

„Höflichkeit ist Klugheit, folglich ist Unhöflichkeit Dummheit.“ – Arthur Schopenhauer

Die Geschichte des Buches ist schnell erzählt: Herr Panda hat einen Karton voll Donuts. Er geht von Tier zu Tier und fragt: „Möchtest du einen Donut?“ Keines der Tiere antwortet mit „Ja, danke!“ oder „Bitte den Blauen!“, sodass Herr Panda seine Donuts doch lieber für sich behält. Erst das letzte Tier antwortet sehr höflich auf seine Frage: „Darf ich einen Donut haben? Bitte, Herr Panda.“ Und Herr Panda schenkt ihm alle – er mag gar keine Donuts. Continue reading „„Herr Panda und das BITTE““

Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch

Vor ein paar Tagen bin ich durch Eimsbüttel geschlendert und an der wunderbaren Buchhandlung Lüders vorbeigekommen. Hier durfte ich vor etlichen Jahren (ist es wirklich schon 12 Jahre her…?) mein erstes Praktikum machen. Ein fabelhafter Buchladen, der zum stöbern verführt und immer noch zu meinen Lieblingsorten in Hamburg zählt. Sie haben eine kleine, aber gut sortierte Bilderbuchecke, in der ich einen Schatz gefunden habe: „Papa ist doch kein Außerirdischer!“ von Anna Boulanger. Ein Buch, das alle Vorurteile gegenüber Homosexualität mit historisch anmutenden, zarten Illustrationen ad absurdum führt.

Viele Namen für eine einfache Erklärung

Theo verbingt jedes Wochenende bei seinem Vater. Für ihn heißt er Paul oder Papa. Andere Menschen nennen seinen Vater jedoch Höhlenforscher, Torfstecher oder Warmer. Sein Vater erhält allerlei Spitznamen, die Theo nicht versteht. Eines Tages erzählt Theo seinem Vater von den vielen Namen und versteht:

„Die ganzen Sachen, die ich gehört habe, bedeuten einfach nur, dass mein Papa schwul ist. Das heißt, dass er Männer liebt.“

Anna Boulangers Bilderbuch beschäftigt sich kindlich naiv mit den Auswirkungen der Sprache auf unser Denken. Das Vorsatzpapier dieses wunderschön gestalteten Bilderbuches zeigt Fetzen von Wörterbucheinträgen: Alles Synonyme für Homosexualität. Boulanger hat die Wörter zusammengetragen und ihnen, im wahrsten Sinne des Wortes, Flügel verpasst. Neben den schwebenden Wörterbucheinträgen steht ein junger Mann mit suchendem Gesichtsausdruck und Höhlenforscher-Equipment – verloren zwischen den vielen Doppeldeutigkeiten. Continue reading „Torfstecher & Höhlenforscher – Homosexualität im Bilderbuch“

Illustrator Günther Jakobs im Interview

Im letzten Beitrag habe ich mir noch ein Interview mit ihm gewünscht und voilá, nun ist es soweit. Danke an Carlsen und Kinderbuch-Macher Günther Jakobs, der sich die Zeit genommen hat, meine Fragen zu beantworten. Bis vor kurzem war mir sein Name noch unbekannt, dabei besitze auch ich eine „Urmel“-Ausgabe des Münsteraners… Da wird es doch höchste Zeit, den Künstler besser kennenzulernen! Viel Vergnügen mit unserem Interview!

Lieber Günther Jakobs, Sie sind Illustrator – war das schon immer Ihr Traumberuf?

Illustrator Kinderbuch Günther Jakobs
Ich habe als Kind gerne Comics gelesen. Und wollte auch gerne so etwas machen. Ich habe mir damals als Schüler einen Karteikasten angelegt mit erfundenen Figuren. Heute würde ich gerne darauf zurückgreifen, ist aber leider verschollen.
Später hatte ich großes Interesse an Karikaturen und habe eifrig an der Schülerzeitung mitgearbeitet. Die Kinder- und Bilderbuchillustration hat mich dann erst im Studium so richtig gepackt. Illustrator war also wirklich immer mein Traumberuf!

Meine Eltern hätten mich zwar lieber als Kunstlehrer gesehen (typisch: selbst Lehrer), aber jetzt sind eigentlich alle froh, dass es anders gekommen ist – einschließlich der Schüler 😉

Aus Ihrer Autorenvita geht hervor, dass Sie nach einem Studium der Illustration noch einen Abschluss in Philosophie gemacht haben. Als studierte Philosophin darf ich erstaunt nachfragen: Warum um Himmels Willen haben Sie das denn noch gemacht?!

Tja, das hat sich so gefügt. Im Grunde kam das durch die kunsttheoretischen Kurse im Design-Studium. Unser damaliger Dozent, Michael Quante, (mittlerweile Professor an der Uni-Münster) hat einfach wahnsinnig gute Lehre gemacht. Mich haben dabei besonders die Themen der praktischen Ethik und Ästhetik interessiert. So kam es, dass ich mich während des Illustrationsstudiums als Zweithörer einschrieb und einige Seminare (hauptsächlich bei Prof. Quante) absolvierte. Als ich mich nach dem Design-Diplom schon im Haupstudium Philosophie befand, war es für mich klar, das auch abzuschließen.
Außerdem gab es mir etwas Zeit zu schauen, wie es zeitgleich mit Illustrationsaufträgen weiter ging. Quasi als Probezeit.

Neben Ihren eigenen Texten und Ideen, haben Sie auch die Neuauflage des Kinderbuchklassikers „Urmel“ von Max Kruse (Thienemann Verlag) illustriert. Ein Projekt, um das Sie viele Kollegen sicherlich beneiden. Wie hat sich die Zusammenarbeit mit Thienemann ergeben? War die Illustration des „Urmeli“ ein Herzensprojekt für Sie?

Das war eine große Ehre für mich. Ich fand Urmel großartig, weil es auch manchmal so schön schräg ist. Die Zusammenarbeit hatte sich bei Thienemann ergeben, da ich zuvor schon ein Märchenbilderbuch und eine Sonderausgabe zu „Robbi, Tobbi und das Fliewatüüt“ illustriert hatte. Da war ich also schon „klassikererprobt“.

Leider habe ich Max Kruse zu Lebzeiten nicht persönlich getroffen, aber es war schon ein Erlebnis, wie er noch mit über 90 Jahren an Texten arbeitete und mir E-Mails schrieb.

Es war toll, dass ich nicht nur an Neuauflagen der bestehenden Bilderbüchern arbeiten durfte, sondern auch die letzten Neuveröffentlichungen von Max Kruse begleiten durfte (wie „Urmel saust durch die Zeit“ oder zuletzt das Bilderbuch „Urmel taucht ins tiefe Meer“).

Ihren Arbeitsplatz haben Sie in Münster, im Ateliers Hafenstraße 64 – dem gleichen Atelier, in dem z.B. auch die Kinderbuch-Illustratoren Alexander Steffensmeier („Lieselotte lauert“ etc.), Daniel Napp („Dr. Brumm“ etc.) oder Stephan Pricken („Mix Max Miezekatz“ etc.) sitzen. Ich stelle mir Ihre Ateliergemeinschaft als heimlichen Hauptsitz der deutschen Kinderbuchmacher vor. Ein mythischer Ort, an dem viel Schabernack ausgeheckt wird. Ist die Hafenstraße 64 so ein Traumbüro? Und wie hat sich die geniale Zusammensetzung ergeben?

Das klingt gut! Ich denke wir machen uns ein Schild an die Tür: Hauptquartier der deutschen Kinderbuchmacher!!! Kommt bestimmt bei Kollegen gut an 😉

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